Nordkorea löst mit Atomtest weltweite Proteste aus

Dienstag, 12. Februar 2013, 15:50 Uhr
 

Seoul (Reuters) - Nordkorea hat ungeachtet internationaler Warnungen seinen bislang größten Atomtest unternommen und damit weltweit Sorge um den Frieden in der Region ausgelöst.

Die staatliche Nachrichtenagentur KNCA meldete, der Versuch in der Nacht zum Dienstag habe eine deutlich größere Sprengkraft gehabt als die beiden vorherigen Tests in den Jahren 2006 und 2009. Unabhängige Experten bestätigten dies und schätzten die Wirkung auf ein Drittel der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. International wurde das Vorgehen des isolierten kommunistischen Regimes scharf kritisiert. Alle Weltmächte, darunter auch Nordkoreas einziger enger Verbündeter China, forderten die Führung in Pjöngjang zu einer umgehenden Einstellung ihres Atomprogramms auf. Noch für Dienstag wurde ein Dringlichkeitstreffen des UN-Sicherheitsrats einberufen, bei dem weitere Sanktionen verhängt werden sollten.

NORDKOREA DROHT MIT WEITERER ESKALATION

Mit dem Atomtest ignorierte die Führung Nordkoreas alle Warnungen der internationalen Gemeinschaft. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Test eine "deutliche und ernsthafte Verletzung" der UN-Resolutionen. US-Präsident Barack Obama sprach von einer schweren Provokation und einer Gefährdung des Gleichgewichts in der Region. Die Nato sah eine ernsthafte Gefährdung des Weltfriedens. China bestellte den Botschafter Nordkoreas aus Protest ein. Außenminister Yang Jiechi sagte, die Regierung in Peking sei auf das äußerste unzufrieden mit dem Verhalten Nordkoreas und fordere das Land auf, jegliche weitere Provokation zu unterlassen.

Nordkorea selbst verschärfte allerdings den Ton abermals: Der Atomtest sei ein Akt der Selbstverteidigung gegen die aggressive Politik der USA, erklärte das Außenministerium und drohte zugleich mit weiterer Eskalation. "Dieser Atomtest war nur die erste Antwort, die wir mit äußerster Zurückhaltung gegeben haben", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang. Sollten die USA weiterhin auf Feindseligkeit setzen sei Nordkorea gezwungen, stärkere "zweite und dritte Antworten" zu geben.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle bezeichnete den Atomtest als einen erneuten eklatanten Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Jetzt müssten weitere Sanktionen ins Auge gefasst werden.

Die Börsen in Asien beeindruckte der Atomtest kaum. Die Nachricht sorgte zwar kurzzeitig für Verunsicherung, konnte dem allgemeinen Aufwärtstrend jedoch nichts anhaben. Der Dollar als Risikoabsicherung konnte leicht profitieren.

STÄRKE DES ATOMTESTS DOPPELT SO GROSS WIE 2009

Die Stärke des Tests war nach Einschätzung der internationalen Behörde zur Überwachung des Atomtest-Sperrvertrags doppelt so groß wie beim bislang letzten Test 2009. Die Explosion habe einem Beben der Stärke 5 auf der Richter-Skala entsprochen, verglichen mit 4,5 im Jahr 2009 und 4,1 beim ersten nordkoreanischen Atomtest 2006. Nach Informationen von US-Geologen lag das Epizentrum nur einen Kilometer unter der Erdoberfläche.   Fortsetzung...

 
An activist from an anti-North Korea civic group burns a portrait of North's leader Kim Jong-un during a rally against North Korea's nuclear test near the U.S. embassy in central Seoul February 12, 2013. REUTERS/Kim Hong-Ji (SOUTH KOREA - Tags: CIVIL UNREST POLITICS) - RTR3DO91