G7 ächtet Währungskrieg -Sorge über Japans Geldpolitik

Dienstag, 12. Februar 2013, 17:52 Uhr
 

London/Washington (Reuters) - Die sieben führenden Industrie-Nationen (G7) wollen einen von Japan ausgehenden Abwertungswettlauf der großen Währungen stoppen.

Die Kurse sollten von den Märkten bestimmt werden, bekräftigten die G7-Länder am Dienstag demonstrativ. Zugleich suchen die USA, Japan, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien den Schulterschluss: "Wir werden uns weiter eng zum Thema Devisenmärkte abstimmen und dabei zusammenarbeiten." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte, er hoffe, dass sich auch alle daran hielten. Japans Regierung, die dem Land mit einer politisch gewünschten Talfahrt des Yen Wettbewerbsvorteile verschafft hat, sieht sich nicht am Pranger. Aus G7-Kreisen erfuhr Reuters jedoch, dass die Erklärung durchaus ein "Signal der Sorge" über die Tokioter Währungspolitik sei.

Japan werde am Wochenende beim Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Moskau "im Fokus" stehen, hieß es weiter. Davon geht auch der kanadische Notenbankchef Mark Carney aus. Der Yen zog nach den Äußerungen zum Euro und Dollar an. Die Weltbank forderte die G20 zum Handeln auf. Sie müssten verhindern, dass die zunehmenden Spannungen erneut eine weltweite Wirtschaftskrise auslösten, sagte Weltbank-Chefökonom Kaushik Basu im Reuters-Interview: "Wir befinden uns nicht im Währungskrieg, könnten aber darauf zusteuern." EZB-Chef Mario Draghi sieht dies anders: "Dieser Begriff ist sehr, sehr übertrieben. Wir sehen nichts dergleichen, betonte der oberste Hüter des Euro bei einem Besuch in Madrid.

Japan hatte die Debatte über einen Abwertungswettlauf mit einer Geldschwemme seiner Notenbank ausgelöst, die von der Regierung in Tokio im Kampf gegen den konjunkturell schädlichen Preisverfall ausdrücklich gewünscht wurde. Dieses Vorgehen löste weltweit Furcht aus, andere Staaten könnten nachziehen. Japans Finanzminister Taro Aso betonte, die gemeinsame Erklärung richte sich aber nicht gegen die Währungspolitik seines Landes: "Die G7 haben voll anerkannt, dass die von uns unternommenen Schritte zur Bekämpfung der Deflation nicht darauf gerichtet sind, die Devisenmärkte zu beeinflussen."

Schäuble sagte am Rande des EU-Finanzminister-Treffens in Brüssel, in Europa gebe es kein Wechselkursproblem. Die Sorge beziehe sich auf ein Problem in anderen Teilen der Welt. EZB-Chef Draghi hatte die Aufwertung des Euro jüngst sogar als ein Zeichen für eine "Rückkehr des Vertrauens" in die Gemeinschaftswährung bezeichnet. International steht eher die ultralockere Geldpolitik der USA in der Kritik: Sie treibt Kapital in Schwellenländer wie Brasilien, wo noch deutlich höhere Renditen zu erzielen sind und die Landeswährung unter Aufwertungsdruck gerät. Daher werden Exporte aus diesen Ländern teurer.

In Europa hatte vor allem Frankreich beklagt, die derzeitige Euro-Stärke laste auf der einheimischen Wirtschaft. Finanzminister Pierre Moscovici hatte das Thema zu Wochenbeginn auch in der Eurogruppe zur Diskussion gestellt. Der Wechselkurs sei zwar Sache des Marktes, dennoch könne die Politik in abgestimmter Weise alle Instrumente nutzen, um für Stabilität zu sorgen. Die deutsche Wirtschaft reagiert auf die Aufwertung des Euro indes gelassen: "Direkte Gefahren für die deutschen Exporte sehen wir im Moment erst einmal nicht", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann, in Berlin.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält unterdessen an ihrer seit Herbst 2011 geltenden Wechselkurspolitik zum Eurofest. Die Kursuntergrenze von 1,20 Franken pro Euro werde solange wie nötig beibehalten, sagte Notenbankchef Thomas Jordan in Genf. Der Franken sei weiterhin stark. Die SNB sei bereit, bei Bedarf weitere Maßnahmen zu ergreifen.

 
A man walks past signboards of Japan's three mega banks, Sumitomo Mitsui Banking Corporation (top), Mizuho Bank (C) and Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, in Tokyo November 14, 2012. REUTERS/Toru Hanai (JAPAN - Tags: BUSINESS) - RTR3ADNM