ING streicht beim Konzernumbau weitere 2400 Stellen

Mittwoch, 13. Februar 2013, 13:27 Uhr
 

Amsterdam (Reuters) - Dem tiefgreifenden Umbau beim niederländischen Bank- und Versicherungskonzern ING fallen weitere 2400 Stellen zum Opfer.

Betroffen ist diesmal das Filialgeschäft in Belgien und den Niederlanden und dort vor allem die Call-Center sowie die IT, wie der Finanzriese mitteilte. "Die Kunden wandern rapide in die digitale Welt ab, und darauf müssen wir reagieren", sagte Finanzchef Patrick Flynn zu Reuters. Anders als die ING-DiBa in Deutschland ist ING auf seinen Heimatmärkten bisher vor allem als Filialbank aktiv.

Der Abbau soll bis Ende 2015 vollzogen sein. ING-Chef Jan Hommen schloss am Mittwoch weitere Stellenstreichungen nicht aus. ING hat in den vergangenen 15 Monaten schon den Abbau von 7500 Arbeitsplätzen angekündigt, neun Prozent der Belegschaft. Damit will der Finanzkonzern die jährlichen Kosten bis 2015 um eine Milliarde Euro senken.

ING löst sich derzeit vom angestammten Modell eines kombinierten Bank- und Versicherungskonzerns - eine Forderung des Staates für die Finanzhilfen, die das Unternehmen in der Finanzkrise gebraucht hatte. Für die Versicherungstöchter in den USA wird ein Börsengang vorbereitet. Das Geschäft in Asien wird scheibchenweise verkauft, wovon sich ING einen Erlös von bis zu sieben Milliarden Euro erhofft. Unter anderem ist die Tochter in Malaysia schon weg, was den Gewinn im vierten Quartal um mehr als 700 Millionen Euro aufbesserte.

Unter dem Strich lag das Ergebnis bei 1,43 Milliarden Euro, 21 Prozent höher als zuvor. Im Kerngeschäft fiel der Gewinn vor Steuern in der Banksparte aber um 72 Prozent auf 184 Millionen Euro. Er blieb deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Die Versicherungssparte schaffte dagegen mit einem Plus von 272 Millionen Euro die Gewinnwende.

Im Gesamtjahr 2012 lag der Gewinn im Kerngeschäft mit 2,6 Milliarden Euro um gut fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau, unter dem Strich stand mit 3,89 Milliarden Euro aber ein Minus von fast einem Drittel. 626 Millionen Euro habe allein der Abbau von Risiken gekostet, 175 Millionen entfielen auf die Bankenabgabe in den Niederlanden. Hier drohen ING 2014 weitere Lasten: Denn die Regierung will die Kosten der Verstaatlichung des Immobilienfinanzierers SNS Reaal auf die Banken abwälzen; ING veranschlagt dafür 300 bis 350 Millionen Euro.

In Deutschland betreibt ING mit der ING-DiBa die größte Online-Bank. 2012 schrieb sie im hiesigen Geschäft, zu dem auch der Immobilienkredit-Vermittler Interhyp gehört, 414 Millionen Euro Gewinn vor Steuern.

 
ING Chief Executive Jan Hommen arrives for a presentation of the company's 2012 full-year results in Amsterdam February 13, 2013. Dutch banking and insurance group ING on Wednesday reported lower-than-expected fourth-quarter net profit and announced yet another round of cost savings, cutting an additional 2,400 jobs. REUTERS/Toussaint Kluiters/United Photos (NETHERLANDS - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT) - RTR3DQ2A