Ruf nach Stoppsignal im Abwertungswettlauf wird lauter

Mittwoch, 13. Februar 2013, 18:03 Uhr
 

Moskau/Berlin (Reuters) - Aus Sorge vor einem globalen Abwertungswettlauf mehren sich vor dem Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer G20 die Forderungen nach einem breiteren Schulterschluss in der Währungspolitik.

"Es wächst die Versuchung von Handelsprotektionismus, Währungskriegen und künstlich niedrig gehaltenen Wechselkursen nationaler Währungen", warnte am Mittwoch die russische Notenbank in Moskau, wo am Freitag das G20-Treffen beginnt, und forderte zum globalen Handeln auf. Zuvor hatte bereits die Weltbank vor einem heraufziehenden Währungskrieg gewarnt. Deutschland hofft, dass sich nach den sieben führenden Industrienationen nun auch die G20 zu freien und somit politisch nicht gesteuerten Wechselkursen bekennen. Im Fokus der Diskussion steht vor allem Japan.

Auf politischen Druck hin hat die Notenbank in Tokio die Geldschleusen geöffnet und eine Talfahrt des Yen angeschoben, die die Exporte beflügelt. Nun herrscht Sorge, dass andere Staaten nachziehen und einen Währungskrieg entfachen könnten.

Auch die ultralockere Geldpolitik der USA steht in der Kritik: Sie treibt Kapital in Schwellenländer wie Brasilien, wo dadurch die Landeswährung unter Aufwertungsdruck gerät. Die Regierung kämpft mit Kapitalverkehrskontrollen dagegen an. Auch Indonesien, Südkorea und Thailand haben solche Schutzmaßnahmen ergriffen.

WECHSELKURSE SOLLEN KEIN ZIEL DER POLITIK SEIN

Mit dem G7-Bekenntnis zu freien Wechselkursen vom Dienstag haben die führenden Industriestaaten aus deutscher Sicht ein wichtiges Signal gesetzt, dass sich alle an die Regeln zu halten haben: Ein hoher deutscher Regierungsvertreter sagte in Berlin, die Kernbotschaft, "die alle G7-Staaten akzeptiert haben - ich hoffe, auch die G20-Staaten akzeptieren werden", laute, dass Wechselkurse am Markt gebildet würden und kein Ziel der Politik seien. Darüber gebe es keinerlei Dissens in der Gruppe der G7. Zu den G20-Staaten gehört auch China, dem die USA seit langem vorwerfen, seine Landeswährung künstlich zu drücken und damit Wettbewerbsvorteile auf den Weltmärkten herauszuschlagen.

STREIT UM DEUTUNGSHOHEIT ÜBER G7-ERKLÄRUNG

Doch auch im Kreis der G7 gibt es Unstimmigkeiten. Obwohl die USA, Kanada, Großbritannien, Japan, Deutschland, Frankreich und Italien mit dem Wechselkursbekenntnis Einigkeit demonstrierten, kamen bereits kurz nach der Veröffentlichung des Dokuments Misstöne auf. Japan preschte vor und erklärte, das Land stehe mit seiner Politik nicht am Pranger. Später hieß es von anderer Seite, die Erklärung sei als "Signal der Sorge" über die Währungspolitik in Tokio zu lesen.

Am Devisenmarkt löste das Hickhack Kopfschütteln aus. Und dem britischen Notenbankchef Mervyn King platzte nun der Kragen. Er äußerte sich verärgert darüber, was in den Text des G-7-Bekenntnisses "hineininterpretiert" worden sei. Er habe als Unterzeichner des Dokuments nicht geahnt, dass "sogenannte Kreise" die gemeinsame Erklärung einer Lesart unterwerfen würden, die der Text nicht hergebe, wetterte King am Mittwoch in London. Zugleich ließ er Verständnis für die japanische Position anklingen: "Wenn man Staaten kurzfristig ein Ankurbeln des Wachstums erlauben will, muss man ihnen auch geldpolitische oder anders geartete Maßnahmen durchgehen lassen, die sich auf die Wechselkurse auswirken." Bereits zuvor hatte der Chefvolkswirt des IWF, Olivier Blanchard, in ähnlicher Form eine Lanze für Japan gebrochen. Das Fernostland hatte die Debatte über einen Abwertungswettlauf mit einer Geldschwemme seiner Notenbank ausgelöst, die von der Regierung in Tokio im Kampf gegen den konjunkturell schädlichen Preisverfall ausdrücklich gewünscht wurde.