Deutsche Wirtschaft schrumpft Ende 2012 unerwartet stark

Donnerstag, 14. Februar 2013, 09:56 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Sinkende Exporte und Investitionen haben die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal so stark schrumpfen lassen wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt fiel zwischen Oktober und Dezember um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. "Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt Anfang 2009 mit 4,1 Prozent", sagte ein Statistiker. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 0,5 Prozent erwartet. Im dritten Quartal war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,2 Prozent gewachsen.

Frankreich als Nummer zwei der Euro-Zone schlug sich diesmal besser, wenn auch nicht gut: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte mit 0,3 Prozent nur halb so stark.

"NUR VORÜBERGEHENDE SCHWÄCHE"

Für den Einbruch in Deutschland sorgten vor allem sinkende Exporte. Außerdem investierten die Unternehmen "deutlich weniger" in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen. Auch die Bauausgaben schrumpften, wenn auch nur geringfügig. "Das konnte durch steigende Konsumausgaben nicht ausgeglichen werden", sagte der Statistiker.

Ökonomen gehen aber davon aus, dass die Talfahrt schon zu Jahresbeginn endet. "Das ist eine vorübergehende Schwächephase der deutschen Wirtschaft und nicht der Beginn eine langen Flaute oder gar einer Rezession", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Das sieht auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer so. "Die Schuldenkrise ist deutlich abgeebbt, die Weltkonjunktur hat nach oben gedreht", sagte Krämer. "Ich erwarte bereits im ersten Quartal wieder ein merkliches Wirtschaftwachstum." UniCredit sagt ein Plus von mindestens 0,3 Prozent voraus, dass im Frühjahr und Sommer auf jeweils 0,5 Prozent zulegen soll.

Für das Gesamtjahr erwarten Bundesregierung und Bundesbank ein Plus von 0,4 Prozent. 2012 waren es 0,7 Prozent.

 
A worker controls a tapping of a blast furnace at Europe's largest steel factory of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG in the western German city of Duisburg December 6, 2012. ThyssenKrupp, Germany's biggest steelmaker, warned that it saw no global economic recovery in 2013 after a slump in steel prices and weak car markets caused a 38 percent drop in its quarterly core profit. Picture taken December 6, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS INDUSTRIAL)