American Airlines heiratet das "hässliche Mädchen"

Donnerstag, 14. Februar 2013, 14:11 Uhr
 

New York (Reuters) - Mega-Fusion in der US-Luftfahrtbranche: American Airlines und US Airways schließen sich Insidern zufolge zusammen und bilden gemessen an den Passagierzahlen die weltgrößte Fluggesellschaft.

Die wirtschaftlich seit Jahren chronisch schwächelnden Unternehmen wollen so ihre Chancen im Markt gegenüber Delta und United Continental verbessern. Analysten bewerten den Schritt, über den seit langem verhandelt wird, als positiv. An der Börse haben die Aktien von US Airways seit Frühjahr 2012 bereits 57 Prozent zugelegt. Damals hatten die einflussreichen Gewerkschaften ihre grundsätzliche Unterstützung signalisiert. Synergien von rund einer Milliarde Dollar sollen nun drin sein.

Am Mittwoch wurde der Weg für den Zusammenschluss freigemacht. Die Verwaltungsräte von US Airways und der insolventen American-Muttergesellschaft AMR gaben grünes Licht, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen Reuters sagten. Die Details sollen noch am Donnerstag bekanntgegeben werden. Die zuletzt strittigen Punkte seien mittlerweile ausgeräumt.

Zusammen kommen die Airlines auf einen Umsatz von knapp 39 Milliarden Dollar. Für die Fusion soll kein Geld fließen. Die klammen Unternehmen planen lediglich einen Aktientausch. Der Wert der neuen Firma beläuft sich auf elf Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Delta kommt an der Börse auf einen Marktwert von 12,4 Milliarden Dollar, United Continental auf 8,7 Milliarden. Lufthansa ist momentan rund 9,5 Milliarden Dollar wert.

JAHRELANGE SUCHE NACH DEM RICHTIGEN PARTNER

US Airways war seit Jahren vergeblich auf der Suche nach einem Partner und wurde deswegen spöttisch schon das "hässliche Mädchen" genannt. Anfang 2007 scheiterte US Airways mit einem feindlichen Übernahmeangebot für Delta. Und so wurde die American-Insolvenz Ende 2011 zur Chance - und jetzt auch genutzt. Denn beide Unternehmen gelten alleine als zu klein, um im Wettbewerb bestehen zu können.

In der neuen Firma wird American der dominante Partner sein, mit einem AMR-Anteil von 72 Prozent. Das Unternehmen wird Insidern zufolge am Markt mit dem Namen American Airlines agieren und seinen Sitz am American-Standort in Fort Worth, Texas, haben. Außerdem sollen beide Firmen in der Allianz Oneworld bleiben, der auch British Airways angehört. Das bedeutet, dass US Airways das Konkurrenz-Bündnis Star Alliance verlassen muss, zu deren Mitgliedern auch die Lufthansa zählt. Die Frankfurter haben dort aber mit United weiterhin einen wichtigen US-Partner.

Offen ist noch, ob der Zusammenschluss ein Erfolg wird. Delta hat seit der Fusion mit Northwest seine Reichweite ausgebaut und die Geschäftszahlen verbessert. Bei United Continental dagegen sieht die Bilanz weniger gut aus. Insgesamt haben die vielen Zusammenschlüsse laut Experten die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche aber gestärkt.

 
A US Airways plane (R) taxis for takeoff past an American Airlines plane at the Ronald Reagan Washington National Airport in Arlington County, Virginia, February 10, 2013, as negotiations continue this week between parent companies US Airways Group Inc and AMR Corp on a possible $11 billion merger, creating what would be the world's largest airline. REUTERS/Mike Theiler (UNITED STATES - Tags: TRANSPORT BUSINESS) - RTR3DLGO