Teurer Konzernumbau frisst Gewinn von Puma auf

Donnerstag, 14. Februar 2013, 12:26 Uhr
 

Herzogenaurach (Reuters) - Ein unerwartet teurer und langwieriger Konzernumbau hat den Gewinn von Puma 2012 weitgehend aufgefressen.

Vorstandschef Franz Koch gab im vergangenen Jahr 125 Millionen Euro aus, um das angeschlagenen Sportartikelhersteller wieder fitzumachen - 25 Millionen mehr als im Sommer angekündigt. Der Jahresgewinn brach um mehr als zwei Drittel auf 70 Millionen Euro ein, wie Koch zur Bilanzvorlage am Donnerstag in Herzogenaurach erläuterte. Im Schlussquartal rutsche Puma sogar unerwartet in die Verlustzone. Branchenexperten hatten zumindest einen kleinen Gewinn erwartet.

Nur weil das Unternehmen seine Produkte mit Preisnachlässen losschlug, verbuchte Puma 2012 einen Umsatzrekord von 3,3 Milliarden Euro, knapp neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Wir haben viele Abverkäufe mit Discount und Rabatten gehabt, im vierten Quartal beschleunigt", sagte Koch. Der Trend zu Rabatten werde in der Branche anhalten, aber nicht mehr so stark wie bisher.

Der Betriebsgewinn (Ebit) ging selbst ohne Berücksichtigung der Sonderbelastungen im vorigen Jahr um 13 Prozent auf 113 Millionen Euro zurück. Insgesamt verbuchte der Konzern Sondereffekte von 178 Millionen Euro, davon 125 Millionen für die Schließung von Geschäften, die Einstellung von Tochtergesellschaften in Griechenland, Zypern und Bulgarien sowie eine radikales Eindampfen der Produktpalette. Auch die Sponsoringverträge streicht Puma zusammen. Nach dem bereits angekündigten Rückzug aus dem Rugby will Puma im Lauf des Jahres auch den Segelsport aufgeben. Auch die Aktionäre, darunter der französische Luxusgüterkonzern PPR als Haupteigner, müssen bluten: Ihnen soll die Dividende um drei Viertel auf 50 Cent gekürzt werden.

NOCH KEIN NEUER CEO IN SICHT

Nach neuester Planung werde nun auch 2013 ein Übergangsjahr werden, sagte Koch. Allerdings erwarte das Management einen Anstieg des Betriebsgewinns vor Sondereffekten im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und eine deutliche Verbesserung des Überschusses.

Koch, der seine erste volle Jahresbilanz vorlegte, muss das Unternehmen Ende März bereits wieder verlassen. Mitten im größten Konzernumbau seit 20 Jahren hatte das Unternehmen ihn Mitte Dezember überraschend abgesetzt. Koch galt wegen der Probleme des Konzerns bereits als angezählt, als er 2011 seinem Mentor, dem langjährigen Puma-Chef Jochen Zeitz, folgte. Sechs Wochen vor dem Abschied hat der Sportartikelhersteller noch keinen Nachfolger gefunden. Der Konzern werde deshalb ab April übergangsweise von Finanzvorstand Michael Lämmermann und Vertriebsvorstand Stefano Caroti geleitet, sagte Koch. Der jüngst von PPR installierte Verwaltungsratschef Jean-Francois Palus werde sie dabei unterstützen.