Commerzbank glaubt nicht an schnelle Erfolge

Freitag, 15. Februar 2013, 08:04 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Commerzbank macht ihren Investoren wenig Hoffnung auf schnelle Erfolge ihres Konzernumbaus.

"Wir haben 2012 die Voraussetzungen geschaffen, um die Bank neu auszurichten. Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang", sagte Vorstandschef Martin Blessing am Freitag in Frankfurt. Er hat sich bis 2016 dafür Zeit genommen. In diesem Jahr würden die Erträge erst einmal von den niedrigen Zinsen und dem weiteren Abbau des Immobilien- und Schiffskreditgeschäfts belastet, hieß es in einer Präsentation für Analysten. Zugleich seien erneut leicht steigende Rückstellungen für faule Kredite zu erwarten. Die Risikovorsorge war 2012 um 1,7 Milliarden Euro aufgestockt worden, ein Jahr zuvor waren es erst 1,4 Milliarden.

Fast 1,4 (2011: 0,9) Milliarden Euro Abschreibungen gingen 2012 allein auf das Konto der vor der Abwicklung anstehenden Immobilien- und Schiffsfinanzierungs-Sparte, die deshalb allein 1,5 Milliarden Euro Verlust verbuchte. Sie macht mit 151 Milliarden Euro noch immer fast ein Viertel der Bilanzsumme der zweitgrößten deutschen Bank aus. Vorstandschef Blessing hat der Bank eine Schrumpfkur verschrieben. Mit den erhofften zwei Milliarden Euro Ertragssteigerungen sollen die dringend nötigen Investitionen etwa in die IT finanziert werden.

6000 JOBS AUF DER STREICHLISTE

Dem Sparkurs fallen konzernweit bis zu 6000 Arbeitsplätze zum Opfer - vor allem in den Filialen. Mit ihren elf Millionen Privatkunden verdiente die Bank im Gesamtjahr 245 Millionen Euro, der operative Gewinn der Sparte ging damit um die Hälfte zurück. Das Rückgrat der Commerzbank bleibt das Geschäft mit dem Mittelstand, das 2012 erneut 1,65 (1,59) Milliarden Euro abwarf.

Im Konzern blieben zum Jahresende nur sechs Millionen Euro Gewinn übrig, unter anderem weil die Commerzbank angesichts der getrübten Gewinnaussichten in den nächsten Jahren ihre steuerlichen Verlustvorträge aus den Finanzkrisen-Zeiten nicht voll nutzen kann. Dennoch soll der Bankenrettungsfonds SoFFin für das Jahr 2012 erstmals die fälligen Zinsen auf seine Stille Einlage erhalten, rund 150 Millionen Euro. Denn dafür ist das Ergebnis nach dem deutschen HGB-Bilanzierungsstandard maßgeblich, das zum ersten Mal seit Gewährung der Staatshilfe 2009 mit 102 Millionen Euro positiv ausfällt. Eine Dividende für die Aktionäre gibt es nicht.

BLESSING VERZICHTET AUF BONUS

Wegen des fast auf Null gesunkenen Gewinns kürzt die Bank auch die Prämien: Die Boni für 2012 würden um 17 Prozent reduziert, bei den Investmentbankern sogar um 20 Prozent. Blessing habe seinen Bonus ganz ausgeschlagen, erklärte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. Der Vorstandschef kann allerdings mit einem deutlich höheren Fixgehalt rechnen, denn das ist seit 2012 nicht mehr auf eine halbe Million Euro gedeckelt.

Wegen der um zwölf Prozent gesunkenen Bilanzrisiken braucht die Commerzbank weniger Eigenkapital, um die Risiken abzufedern. Dadurch schraubte sie die harte Kernkapitalquote auf 12,0 (Ende 2011: 9,9) Prozent. Auch 2013 werde die Quote "komfortabel über neun Prozent" bleiben, sagte Finanzvorstand Stephan Engels. Nach dem von 2018 an voll geltenden Basel-III-Standard läge die Quote allerdings erst bei 7,6 Prozent und damit knapp über der von den Aufsehern geforderten Mindestausstattung.

 
A person is reflected in a window of a branch of Germany's Commerzbank in Frankfurt February 12, 2013. The words read:"Commerzbank The bank at your side". REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS)