Meteorit explodiert über Russland - Hunderte Verletzte

Freitag, 15. Februar 2013, 17:29 Uhr
 

Tscheljabinsk (Reuters) - Bei der Explosion eines Meteoriten über Zentralrussland sind am Freitag hunderte Menschen verletzt worden.

In der Industriestadt Tscheljabinsk etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau fielen Gesteinsbrocken wie Feuerbälle auf die Erde, eine Druckwelle zerstörte Fensterscheiben und beschädigte Gebäude. Mehr als 500 Menschen wurden nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums verletzt, über 100 von ihnen wurden stationär in Krankenhäusern aufgenommen. Die Behörden riefen die Bewohner der Region auf, Ruhe zu bewahren. Präsident Wladimir Putin und Ministerpräsident Dmitri Medwedew wurden in Moskau über den Vorfall unterrichtet.

Ein Mitarbeiter der Regionalregierung sagte, der Meteorit stamme möglicherweise von einem Asteroiden, der die Erde am Freitagabend (MEZ) in 27.520 Kilometern Entfernung passieren soll. Dagegen erklärte die Europäische Raumfahrtbehörde (ESA), zwischen dem Vorfall in Russland und dem Asteroiden mit der Bezeichnung 2012 DA14 gebe es keinen Zusammenhang. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist bislang noch kein Himmelskörper näher an der Erde vorbeigeflogen als der Asteroid. 2012 DA14 soll einen Durchmesser von knapp 50 Metern haben.

Die Explosion des Meteoriten über dem Ural versetzte zahlreiche Bewohner in Angst und Schrecken. Gegen 9.20 Uhr gab es einen lauten Knall, berichtete ein Reuters-Korrespondent in Tscheljabinsk. "Dann gab es einen Blitz, ich sah eine Rauchfahne am Himmel und spürte die Druckwelle, die Fensterscheiben eindrückte", sagte ein Augenzeuge. Alarmanlagen von Autos gingen los, Mobiltelefone funktionierten nicht mehr. "Ich war auf dem Weg zur Arbeit, und es war noch dunkel", sagte der 36-jährige Viktor Prokofjew aus Jekaterinburg. "Aber plötzlich war es taghell, und ich fühlte mich wie von Scheinwerfern geblendet."

KEINE ERHÖHTE RADIOAKTIVE STRAHLUNG GEMESSEN

Der Meteorit zischte über den Horizont und hinterließ eine lange weiße Rauchwolke, die sogar im 200 Kilometer entfernten Jekaterinburg zu sehen war. Nach Angaben der russischen Weltraumbehörde Roskosmos raste der Meteorit mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometer pro Sekunde auf die Erde zu. Die Explosion des Himmelskörpers löste einen Überschallknall aus. Dann folgte ein "Meteoritenregen in Form von Feuerbällen", wie es das Katastrophenschutzministerium umschrieb. Die meisten Verletzten seien durch umherfliegendes Glas getroffen worden. Die Stadtverwaltung von Tscheljabinsk rief die Bevölkerung auf, in den Häusern zu bleiben. Putin erklärte, es müsse nun vor allem den Verletzten geholfen werden.

Es sei das erste Mal, dass ein Meteorit über Russland in so geringer Höhe zerborsten sei, sagte Juri Burenko vom örtlichen Katastrophenschutzministerium. Die Behörden stellten Trupps zusammen, die nach Resten des Meteoriten suchen sollten. Es sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Im Internet tauchten kurz nach dem Einschlag bereits Angebote von angeblichen Überresten des Weltraumgesteins auf.

"DERZEIT KEINE GEFAHR FÜR DEUTSCHLAND"

In Deutschland besteht nach Angaben des Bundesinnenministeriums derzeit keine konkrete Gefährdung durch Meteoriten. Fast wöchentlich träten Weltraumtrümmer in die Erdatmosphäre ein. "In den letzten Jahren betrug die Gesamtmasse etwa 60 bis 80 Tonnen pro Jahr", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Satellitenabstürze und Gefahren durch Meteoriten ließen sich nicht vermeiden. "Bislang gibt es noch keine Technologien, um die einzelnen Satelliten einzufangen."

Ein Krisenzentrum beobachte ständig die Lage, da dadurch Katastrophen und Schäden an kritischer Infrastruktur ausgelöst werden könnten. Das Auswärtige Amt erklärte, es seien offenbar keine Deutschen von dem Unglück in Russland betroffen. Ein deutscher Diplomat habe sich zum Zeitpunkt des Vorfalls zufällig in Tscheljabinsk aufgehalten.

Meteoriten-Einschläge von solcher Größe sind relativ selten. Im Jahr 1908 soll ein Meteorit in Sibirien eine Fläche von 2000 Quadratkilometern vernichtet haben. Damals gingen Fensterscheiben noch in einer Entfernung von bis zu 200 Kilometern zu Bruch.

 
Trail of a meteorite crossing the early morning sky above the city of Kamensk-Uralsky February 15, 2013, is seen in this still image taken from video footage from a dashboard journey recorder and obtained by REUTERS TV. REUTERS/Amateur video via Reuters TV (RUSSIA - Tags: DISASTER ENVIRONMENT TPX IMAGES OF THE DAY) - RTR3DTR6