Commerzbank-Chef bittet um Geduld - Sanierung dauert

Freitag, 15. Februar 2013, 17:22 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Commerzbank-Chef Martin Blessing vertröstet die Aktionäre noch einmal.

2013 sei ein Jahr des Umbruchs, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz am Freitag in Frankfurt. "Eine umfassende strategische Neuausrichtung kostet Kraft, Zeit und Geld", betonte der seit mehr als vier Jahren amtierende Vorstandschef. "Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang." Auch in diesem Jahr werden die niedrigen Zinsen und der Abbau der Immobilien- und Schiffskredite die Erträge belasten. Erst 2014, mit dem Konjunkturaufschwung in Deutschland, erhofft sich der größte Finanzier des deutschen Mittelstands Besserung.

Im vergangenen Jahr blieben ganze sechs Millionen Euro Gewinn übrig, unter anderem weil die Commerzbank angesichts der getrübten Gewinnaussichten der nächsten Jahre ihre steuerlichen Verlustvorträge aus Finanzkrisen-Zeiten nicht voll nutzen kann. Ohne Sondereffekte hätte der Jahresüberschuss bei fast einer Milliarde Euro gelegen, rechnete Blessing vor. "Aber es geht nicht darum, die Dinge schönzurechnen."

Dennoch stand ihm 2012 zum ersten Mal seit der Fusion mit der Dresdner Bank wieder ein Millionengehalt zu - 1,3 Millionen Euro überwies ihm sein Arbeitgeber. Auf Bonuszahlungen von rund 700.000 Euro verzichtet er aber. "Ich fand das Ergebnis nicht so positiv, dass ich einen Bonus verdient hätte", sagte Blessing. Wegen der Staatshilfen waren die Vorstandsgehälter seit 2009 auf eine halbe Million gedeckelt.

COMMERZBANK MACHT SOFFIN UND ALLIANZ FROH

Dennoch soll der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin für 2012 erstmals die fälligen Zinsen auf seine auf 1,6 Milliarden Euro geschrumpfte Stille Einlage erhalten: rund 150 Millionen Euro. Auch die Allianz bekommt neun Prozent Zinsen auf ihre 750 Millionen Euro, die sie der Commerzbank beim Verkauf der Dresdner Bank als Mitgift gegeben hatte. Denn dafür ist der Gewinn nach dem deutschen HGB-Bilanzierungsstandard maßgeblich, der zum ersten Mal seit Gewährung der Staatshilfe 2009 positiv ausfällt. Ob das auch 2013 der Fall sein wird, ließ Finanzchef Stephan Engels offen. Denn schon im ersten Quartal stellt die Bank eine halbe Milliarde Euro für den geplanten Abbau von 4000 bis 6000 Stellen zurück.

Blessing hat sich bis 2016 - dann läuft sein Vertrag aus - Zeit genommen, um die zweitgrößte deutsche Bank zukunftsfähig zu machen. Das Privatkundengeschäft steht dabei im Mittelpunkt. "Da muss man an vielen kleinen Stellschrauben drehen", so Blessing. 2012 halbierte sich der operative Gewinn in der Sparte mit elf Millionen Kunden auf 245 Millionen Euro. Die Commerzbank leidet unter schrumpfenden Erträgen. Im Vorjahr gingen sie im Kerngeschäft auf 9,7 von 11,1 Milliarden Euro zurück, unter anderem weil die Zinsen niedrig blieben und die Kunden kaum Wertpapiere kauften.

Die Bank erhofft sich von neuen Produkten und neuartigen Filialen zusätzliche Erträge - doch zugleich sollen 1800 bis 3400 Mitarbeiter in den Filialen ihren Arbeitsplatz verlieren, je nachdem wie entgegenkommend sich die Arbeitnehmervertreter zeigen. Doch sie halten den Abbau für unsinnig. Dennoch will Blessing bis zur Sommerpause mit den Verhandlungen fertig sein. "Es ist enttäuschend, dass es nicht schon 2013 aufwärtsgeht", sagte Kepler-Analyst Dirk Becker. "Ich denke, richtig sichtbar werden die Erfolge des Konzernumbaus erst 2015. Jetzt kommt es darauf an, die Sanierung konsequent umzusetzen."

Das Rückgrat der Commerzbank bleibt das Geschäft mit dem Mittelstand, das 2012 erneut 1,6 Milliarden Euro abwarf. Der größte Belastungsfaktor ist das vor der Abwicklung anstehenden Immobilien- und Schiffsfinanzierungs-Geschäft, das allein 1,5 Milliarden Euro Verlust machte. Vor allem faule Schiffskredite schlugen zu Buche. Konzernweit rechnet die Bank daher 2013 mit einer etwas höheren Risikovorsorge als die 2012 verbuchten 1,7 Milliarden Euro. "Die riesige Abbaueinheit ist natürlich eine Belastung", sagte Analyst Becker. "Das sind 150 Milliarden Euro - es gibt Banken in anderen europäischen Ländern, die haben nicht einmal so eine große Bilanzsumme."   Fortsetzung...

 
Commerzbank Chief Executive Martin Blessing listens during the bank's annual news conference in Frankfurt February 15, 2013. REUTERS/Lisi Niesner