Pferdefleisch-Skandal nimmt immer größere Dimensionen an

Samstag, 16. Februar 2013, 16:02 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Pferdefleisch-Skandal nimmt immer größere Dimensionen an: Das Bundesverbraucherschutzministerium bestätigte am Samstag, dass 179.000 verdächtige Lasagne-Packungen nach Deutschland importiert wurden.

Sie sollen entgegen den Angaben auf der Verpackung auch Pferdefleisch enthalten haben. "Spiegel-Online" berichtete unter Berufung auf EU-Lieferlisten, dass knapp 360.000 Packungen Lasagne und Cannelloni von einem verdächtigen Luxemburger Betrieb an den deutschen Lebensmittelhandel geliefert wurden. Aber auch hierzulande gab es erstmals Hinweise darauf, dass Hersteller von Fertigprodukten Pferdefleisch verwendet haben.

Die aus dem Ausland importierten verdächtigen Fertigprodukte wurden aus den Verkaufsregalen genommen. Sie stammen unter anderem vom französischen Fleischverarbeiter Comigel, der über seine Luxemburger Filiale deutsche Lebensmittelketten beliefert hatte. So hatte Kaiser's Tengelmann am Freitag bekanntgegeben, eine Lasagne von Comigel habe Pferdefleisch enthalten.

NEURUPPINER FIRMA: PFERDEFLEISCH-SPUREN IN RINDERGUALSCH

Mit der Brandenburger Firma Dreistern-Konserven räumte nun auch ein deutscher Betrieb ein, Rindergulasch eigener Herstellung enthalte Spuren von Pferdefleisch. Auf ihrer Internet-Seite teilte die Neuruppiner Firma mit, Pferde-DNA sei in Konserven mit der Bezeichnung "Rindergulasch 540g Omnimax" nachgewiesen worden. Zu den Ursachen erklärte die Firma: "Die nachgewiesen Spuren von Pferde-DNA können im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein."

Bei dem Unternehmen war am Samstag zunächst niemand zu erreichen. Sicherheitsleute riegelten das Gelände der Firma ab. Eine Sprecherin des Brandenburger Verbraucherschutzministeriums erklärte, es gebe noch keine Erkenntnisse darüber, wie das Pferdefleisch in das Produkt gelangt sei und woher es stammen könnte.

Mit der Hilcona AG war ein weiterer deutscher Fleischverarbeiter in den Skandal verwickelt. Im vom Discounter Lidl verkauften Nudelprodukt "Combino Tortelloni Rindfleisch" hatten österreichische Behörden Pferdefleisch entdeckt. Hilcona teilte mit, der Betrieb beziehe sein Frischfleisch von einem deutschen und einem Schweizer Hersteller. "Mit beiden steht Hilcona AG in engem Kontakt und setzt alles daran, den Sachverhalt lückenlos aufzuklären", hieß es in einer Stellungnahme.

Die im niedersächsischen Buchholz ansässige Betz Holding hatte am Freitag über Aldi Süd verkaufte Ravioli-Konserven zurückgezogen. Eine Stichprobe habe eine "Kontamination mit Pferdefleisch" ergeben, teilte das Unternehmen auf seiner Web-Seite mit. Bei der Holding handelt es sich nach den Angaben auf der Web-Seite um eine Vertriebsgesellschaft, die demnach die Konserven nicht selber hergestellt hat.

Bislang wiesen die Spuren in dem Skandal auf die französische Firma Spanghero, die Pferdefleisch aus Rumänien zu Rinderfleisch umetikettiert und damit Hersteller von Fertigspeisen beliefert haben soll. Spanghero belieferte den ebenfalls französischen Fleischbearbeiter Comigel. Comigel wiederum ist Zulieferer großer deutscher Handelsketten. Sowohl Spanghero wie Comigel bestreiten, die Inhaltsangaben ihrer Produkte wissentlich gefälscht zu haben.

Die Verbraucherminister von Bund und Ländern wollen am Montag bei einer Sondersitzung über Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal beraten. "Da der Betrugsfall immer größere Dimensionen annimmt, müssen Länder und Bund im engen Schulterschluss schnell und konsequent handeln", forderten die Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder, Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich und Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Aigner trat in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" für ein nationales Kontrollprogramm ein, das über die von der EU beschlossenen Maßnahmen hinausgehen soll. Am Freitag hatte die Europäische Union ein umfangreiches Überprüfungsprogramm beschlossen, um das Ausmaß der falsch etikettierten Lebensmittel auszuloten.