Japan schiebt Nominierung von Notenbankchef auf

Dienstag, 19. Februar 2013, 10:43 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Japan schiebt die Nominierung des neuen Notenbankchefs noch etwas auf und schürt damit Spekulationen über Spannungen innerhalb der Regierung.

Der Kandidat für den Spitzenjob werde frühestens Anfang kommender Woche genannt, wenn Ministerpräsident Shinzo Abe von seiner USA-Reise zurückgekehrt sei, sagte Wirtschaftsminister Akira Amari am Dienstag. Abe hatte am Montag von einer baldigen Nominierung gesprochen, und im Umfeld des Auswahlverfahrens war mit einer Nominierung schon Anfang dieser Woche gerechnet worden. Die Verzögerung führte zu Vermutungen über regierungsinterne Unstimmigkeiten in der Frage, wie radikal der neue Notenbank-Chef im Kampf gegen Deflation und Wirtschaftsflaute die Geldpolitik noch lockern soll. Mit seinem Kurs löste Japan zuletzt Sorgen vor einem Währungskrieg aus.

Abe, der von Donnerstag bis Sonntag in die USA reist, hat ein entschlossenes Vorgehen der Notenbank gefordert. Finanzminister Taro Aso und andere Kabinettsmitglieder schlagen hier moderatere Töne an. "Es gibt wohl ein paar Differenzen zwischen Aso und Abe", sagte Analyst Hiroaki Muto von Sumitomo Mitsui Asset Management. An den Märkten wird die Entscheidung mit Spannung erwartet. Als Favorit auf die Nachfolge des scheidenden Amtsinhabers Masaaki Shirakawa gilt der frühere Spitzenbeamte im Finanzministerium, Toshiro Muto. Darauf scheine es immer mehr hinauszulaufen, hatte am Montag eine in den Auswahlprozess eingeweihte Person gesagt. Allerdings sei dies noch längst nicht in trockenen Tüchern.

So stehen den Kreisen zufolge weitere Namen auf Abes Liste. Dazu zählen Haruhiko Kuroda, ehemaliger Währungsbeauftragter der Regierung und derzeitiger Chef der Asiatischen Entwicklungsbank, sowie Kazumasa Iwata, Ex-Regierungsvolkswirt und stellvertretender Notenbank-Gouverneur. "Ich habe das Gefühl, dass Aso Toshiro Muto will und Abe Kazumasa Iwata bevorzugt", sagte Analyst Muto.

FINANZMINISTER: KEINE PLÄNE FÜR ANKAUF VON AUSLANDSANLEIHEN

Der Chefposten bei der Notenbank wird am 19. März frei. Der 69-jährige Muto gilt als geschickter Verhandlungspartner und als Befürworter einer lockeren Geldpolitik, die er jedoch nicht radikal ausreizen will. Sollte der Vertreter der relativ gemäßigten Linie Shirakawa beerben, wäre dies ein Signal, dass Abe auf politischen Konsens setzt und in Sachen Geldpolitik international nicht noch stärker anecken möchte.

Japan war beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) um eine offene Kritik an seiner Währungspolitik herumgekommen. Doch es bleiben Sorgen, dass die Regierung in Tokio den Yen zu stark nach unten reden und damit einen schädlichen Abwertungswettlauf einleiten könnte. Finanzminister Aso versuchte nun zu beruhigen und sagte, sein Land plane nicht, ausländische Anleihen aufzukaufen - ein Schritt, der die Währung verbilligen und vermutlich Protest von anderen Ländern hervorrufen würde. Der Yen legte daraufhin etwas zu. Schon jetzt ist die Geldpolitik in Japan so locker wie in keinem anderen großen Währungsraum. Erst im Januar hatte die Notenbank das Inflationsziel verdoppelt und angekündigt, unbefristet Staatsanleihen zu kaufen.

BoJ-Gouverneur Shirakawa scheidet vorzeitig aus dem Amt, da er mit Abe überkreuz liegt. Der Ministerpräsident hatte die Notenbank unter Druck gesetzt, mit einer Geldschwemme den Kampf gegen die Deflation - also die Spirale aus fallenden Preisen und nachlassender Investitionsneigung - zu forcieren.

 
Japan's Prime Minister Shinzo Abe (L) and Finance Minister Taro Aso talk during an upper house budget committee session at the parliament in Tokyo February 18, 2013. Abe said on Monday that the BOJ's monetary easing is aimed at beating deflation, not at manipulating the forex market and weakening the yen, and said correcting excessive yen rises would be an appropriate policy direction. REUTERS/Toru Hanai (JAPAN - Tags: BUSINESS POLITICS)