Draghi mahnt Euroländer trotz Krise zum Sparen

Montag, 18. Februar 2013, 18:51 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Trotz der schweren Wirtschaftskrise darf der Spareifer in den Staaten der Euro-Zone laut EZB-Präsident Mario Draghi nicht nachlassen.

An einer Haushaltskonsolidierung gehe für hoch verschuldete Staaten kein Weg vorbei, auch wenn das Wachstum kurzfristig darunter leide, sagte Draghi am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments: "Es sind noch beträchtliche weitere Anstrengungen nötig, damit Europa weiterhin aus der Krise kommt." Im Zuge der anziehenden globalen Konjunktur werde sich auch die Wirtschaft der Euro-Zone im Laufe des Jahres erholen, wenn auch nur "sehr schrittweise". Für die EZB sei trotz der Aufwertung des Euro der Wechselkurs kein Ziel ihrer Geldpolitik, betonte Draghi. Sie blicke aber auf den Kurs, da er wichtig für Wachstum und Preisstabilität sei.

Draghi betonte, der Kurs der Gemeinschaftswährung bewege sich "real wie auch nominal" um seinen langfristigen Mittelwert. Die jüngste Aufwertung der Gemeinschaftswährung stelle aber ein Abwärtsrisiko für den Preisdruck dar, sagte Draghi, der die Stabilitätsmarke der EZB von knapp zwei Prozent Inflation in nächster Zeit für erreicht hält. Mit einer unerwartet klaren Absage an Wechselkursziele hatten die Finanzminister und Notenbankchefs bei ihrem G20-Treffen in Moskau die Debatte über einen Abwertungswettlauf zu ersticken versucht, die Japan mit einer Geldschwemme und einer Talfahrt seiner Währung ausgelöst hatte. Draghi betonte vor den Parlamentariern, die Erklärung der G20 sei aus seiner Sicht "nicht enttäuschend" ausgefallen. Die Debatte über einen Währungskrieg sei vollkommen überzogen.

Viele Länder der Euro-Zone kämpfen mit einer Konjunkturschwäche oder stehen vor einer drohenden Rezession - so wie Frankreich, das über den relativ hohen Außenwert des Euro klagt. Die Regierung in Paris stellt sich auf geringeres Wachstum ein und will mit der EU-Kommission über mehr Zeit zur Erreichung seiner Haushaltsziele verhandeln.

GELDPOLITIK WEITERHIN KONJUNKTURSTIMULIEREND

Die Europäische Zentralbank (EZB) sei sich bewusst, dass ihre konjunkturstimulierende Geldpolitik auch Risiken berge, sagte Draghi. Dies gelte insbesondere, wenn sie über längere Zeit eine Politik niedriger Zinsen und üppiger Liquiditätsversorgung betreibe. Die Gefahr von Vermögenspreisblasen sei vorhanden und die EZB könne im Rahmen ihrer Politik auch rechtzeitig gegensteuern. Um finanzielle Ungleichgewichte in der Euro-Zone anzugehen, sei allerdings eine Zinsveränderung nicht das "Mittel der Wahl", betonte Draghi. Die Geldpolitik der EZB sei weiterhin konjunkturstimulierend. Die Zentralbank müsse abwarten, bis der Impuls in der Güterwirtschaft ankomme. Dennoch denke die EZB weiter darüber nach, wie sie die Übertragung ihrer Geldpolitik verbessern könne. Die Fragmentierung der Märkte bleibe "eines der großen Hindernisse".

 
European Central Bank President Mario Draghi testifies before the Committee on Economic and Monetary Affairs at the European Parliament in Brussels February 18, 2013. REUTERS/Eric Vidal (BELGIUM - Tags: POLITICS BUSINESS HEADSHOT)