Kabel Deutschland spendiert hohe Dividende

Mittwoch, 20. Februar 2013, 12:20 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Kabel Deutschland hält seine Aktionäre nach dem Scheitern der Übernahme von Tele Columbus mit einer überraschenden Anhebung der Dividende bei der Stange.

Damit wird Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber für etwaige Kauf-Interessenten zudem teurer. Ärgern dürfte das Vodafone - der britische Mobilfunkriese pirscht sich gerade an den Münchener Konzern heran.

Für das laufende Geschäftsjahr 2012/13, das Ende März endet, sollen die Anteilseigner 2,50 Euro je Aktie erhalten, teilte Kabel Deutschland am Mittwoch mit. Bislang hatte die Firma eine Gewinnbeteiligung in Aussicht gestellt, die etwa auf Höhe des Vorjahres von 1,50 Euro je Aktie liegen sollte. Insgesamt schütten die Münchner für 2012/13 damit 220 Millionen Euro an ihre Aktionäre aus. Gleichzeitig werde der Ausbau des Breitband-Netzes beschleunigt - dafür sind nochmals Ausgaben von 300 Millionen Euro eingeplant, hieß es.

HÄNDLER - DIVIDENDE IST GIFTPILLE FÜR VODAFONE

Das Geld hat der Marktführer auf der hohen Kante, nachdem die gut 600 Millionen Euro schwere Übernahme des Markt-Dritten Tele Columbus am Dienstag wegen des Widerstands des Kartellamts kassiert wurde. Wenig erbaut sein dürfte Vodafone - die Briten haben Kabel Deutschland einem Insider zufolge ins Visier genommen. Dank des Dividendenaufschlags zog die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie von Kabel Deutschland um 2,5 Prozent auf 69 Euro an, womit eine Übernahme für Vodafone noch teurer werden würde. Ein Frankfurter Börsenhändler vermutet hinter der überraschenden Spendierfreude des Kabel-Anbieters deshalb weitergehende Motive. "Das scheint die erste Giftpille zu sein, um einen Kauf durch Vodafone zu verhindern." Damit habe die Übernahmeschlacht begonnen.

Eine mit der Sache vertraute Person sagte Reuters vergangene Woche, die Führung von Vodafone Deutschland habe dem Konzernvorstand in London einen Plan zur Übernahme von Kabel Deutschland unterbreitet. Doch sei noch keine Entscheidung gefallen, ob der Handy-Riese wirklich ein Gebot abgeben werde. Es dürfte auf jeden Fall kostspielig werden: An der Börse ist Kabel Deutschland 6,3 Milliarden Euro wert - zusätzlich müsste Vodafone noch die 2,8 Milliarden Euro schultern, mit denen die Münchner in der Kreide stehen. Üblicherweise wird bei Übernahmen noch ein Aufschlag auf den Aktienkurs fällig. Der Deal wäre Experten zufolge trotz des hohen Preises sinnvoll für Vodafone: Der zweitgrößte Mobilfunkkonzern in Deutschland nach der Deutschen Telekom käme dadurch an ein Glasfasernetz, das wesentlich höhere Internet-Geschwindigkeiten erlaubt als die weitverbreitete DSL-Technik, die von Telefon-Unternehmen genutzt wird. Kabel Deutschland lässt sich bei dem Thema nicht in die Karten schauen: Finanzchef Andreas Siemen quittierte alle Fragen zum Thema Vodafone mit einem No Comment.

NACHFRAGE NACH INTERNET- UND TELEFONABOS UNGEBROCHEN

Die rasanten Internet-Anschlüsse kommen bei den Deutschen an. Kabel Deutschland steigerte im abgelaufenen Quartal vor allem dank der hohen Nachfrage nach Internet- und Telefonabos den Überschuss um ein Drittel auf 72,7 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte binnen Jahresfrist um neun Prozent auf 427 Millionen Euro, und die Zahl der Abonnements nahm um rund 840.000 auf 14,4 Millionen zu.

Für das laufende Geschäftsjahr, das noch bis Ende März läuft, bekräftigte Kabel Deutschland seine Prognose: Der Umsatz soll um bis zu 8,5 Prozent, das operative Ergebnis (Ebitda) auf bis zu 870 Millionen Euro wachsen. Die Firma versorgt in 13 Bundesländern 8,5 Millionen Haushalte mit Fernsehen. Größter Konkurrenten ist Unitymedia, eine Tochter des US-Kabelriesen Liberty Global.

 
The front of a shop of cable television provider Kabel Deutschland is pictured in Berlin February 19, 2013. Vodafone is considering a bid for Germany's Kabel Deutschland to expand the UK-based mobile company's services in Europe's biggest economy, according to a person familiar with the matter. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS) - RTR3DZIF