Streiks gegen Sparprogramm lähmen Griechenland

Mittwoch, 20. Februar 2013, 13:34 Uhr
 

Athen (Reuters) - Massive Streiks gegen höhere Steuern und gekürzte Löhne haben am Mittwoch Griechenland gelähmt.

Die Fähren blieben in den Häfen. Staatliche Schulen waren geschlossen. In Krankenhäusern gab es nur einen Notdienst. Zehntausende Menschen protestierten in Athen gegen das massive Sparprogramm der Regierung. "Der heutige Streik ist ein neuer Versuch, das Rettungsprogramm loszuwerden und all diejenigen, die das Volk ausnutzen und nur Leid bringen", sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos, in Athen. "Eine soziale Explosion steht kurz bevor."

Seine Gewerkschaft vertritt die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und hat gemeinsam mit der GSEE zum landesweiten, 24 Stunden dauernden Ausstand aufgerufen. In den beiden größten Gewerkschaften sind rund 2,5 Millionen Beschäftigte organisiert. Sie protestieren gegen das drastische Sparprogramm, mit dem die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras eine Pleite des hoch verschuldeten Landes abwehren will. "Unser Kampf wird weitergehen, so lange an dieser Politik festgehalten wird", kündigte die Gewerkschaft GSEE an.

Seit 2009 wurde Griechenland immer wieder von Generalstreiks lahmgelegt. "Wir sind am Boden", sagte Nikos Papageorgiou, ein 56-jähriger Beamter. "Das Land wurde zerstört, die Jugend wurde zerstört. Ich bin wütend auf die Europäer und auch auf unsere Politiker. Sie gehören alle ins Gefängnis."

"Griechenland unternimmt große Anstrengungen, um zum Wirtschaftswachstum zurückzukehren, um wieder bessere Tage zu erleben", sagte dagegen Regierungssprecher Simos Kedikoglou im griechischen Hörfunk. Doch während alles versucht werde, um Investoren anzulocken, liefen die Bilder von den Protesten diese Bemühungen entgegen.

Die Regierung hat allein in diesem Jahr zwei Mal streikende Seeleute und U-Bahn-Beschäftigte per Notverordnung zurück zur Arbeit geschickt, nachdem es bei einem wochenlangen Streik zu Nahrungsengpässen auf Inseln und einer Lähmung des öffentlichen Nahverkehrs in Athen gekommen war. Am Montag lenkte die Regierung aber ein und zog ihren Plan zurück, fast 1900 Beschäftigte im öffentlichen Dienst zu entlassen.