Deutsche Börse startet Asien-Offensive

Mittwoch, 20. Februar 2013, 18:44 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Börse setzt angesichts schrumpfender Finanzmärkte in Europa verstärkt auf Asien.

In absehbarer Zeit werde bedeutsames Wachstum nicht in Europa und Nordamerika, sondern in Asien stattfinden, sagte Konzernchef Reto Francioni am Mittwoch. Er hat deshalb eine "Task Force Asien" ins Leben gerufen, die das Wachstum des Konzerns in der Boomregion beschleunigen soll. "Die weitere Erschließung der Märkte in Asien ist auf mittlere Sicht erste Priorität."

Francioni reagiert damit auf den mauen Handel in Europa, der sich in den nächsten Jahren nicht spürbar beleben dürfte. Viele Banken schrumpfen ihre Bilanzsummen und handeln wegen der höheren Eigenkapitalanforderungen weniger. Das Zocken auf eigene Rechnung haben die meisten Institute ganz eingestellt. Die Politik will das Geschäft mit spekulativen Finanzprodukten weiter zurückdrängen, unter anderem durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Da die Finanzplätze London und Luxemburg bei der Börsen-Steuer nicht mitziehen wollen, werde es zu einer "einseitigen Schwächung des Finanzplatzes Deutschland" kommen, fürchtet Francioni.

Die Deutsche Börse hat die Handelsflaute in den vergangenen Jahren bereits zu spüren bekommen. Die Umsätze im Aktienhandel sind auf das Niveau von 2005 zurückgefallen, im Derivategeschäft auf das Level von 2007. Im vergangenen Jahr brach der Gewinn um ein Viertel auf 645 Millionen Euro ein. Für 2013 Jahr wagt das Unternehmen angesichts des unsicheren Marktumfelds keine konkrete Prognose. Sollte sich die Lage nicht weiter bessern, würden die Umsätze auf dem Niveau des zweiten Halbjahres 2012 verharren, sagte Finanzchef Gregor Pottmeyer. Helle sich das Umfeld auf, könnten die Nettoerlöse moderat auf über zwei Milliarden Euro steigen.

250 STELLEN FALLEN WEG

Angesichts der Handelsflaute hat die Deutsche Börse ein 70 Millionen Euro schweres Sparprogramm angekündigt. Bis 2016 sollen dabei 250 Stellen wegfallen, davon 50 Führungspositionen. Etwa die Hälfte der Arbeitsplätze werden in Frankfurt gestrichen, die andere Hälfte in Luxemburg. Einen Aufschrei des Betriebsrats gab es bisher allerdings nicht, weil der Konzern keine betriebsbedingten Kündigungen plant und viele Mitarbeiter Interesse an den Abfindungsangeboten signalisiert haben.

Durch die Einsparungen will der Konzern auch Mittel für die Expansion in Asien freischaufeln, wo die Börse bisher vor allem mit ihrer Wertpapier-Verwahrtochter Clearstream aktiv ist. Insgesamt erwirtschaftet der Konzern bisher allerdings nur rund fünf Prozent seiner Umsätze in Asien, wie Pottmeyer einräumte. In den nächsten drei bis fünf Jahren will der Konzern die Erlöse in der Region aber um über 100 Millionen Euro steigern.

In den Wachstumsmärkten Asiens habe die Entwicklung der Finanzinfrastruktur bisher nicht mit der Entwicklung der Realwirtschaft Schritt gehalten, sagte Francioni. Das werde sich in den nächsten Jahren ändern. Nach Ansicht von Francioni wird die chinesische Währung Renminbi in den nächsten fünf Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen. "Wenn man da als Börsenorganisation nicht vertreten ist, hat man ein Problem."

"BLAUÄUGIGKEIT VON BÜROKRATEN"   Fortsetzung...

 
The plaque of the Deutsche Boerse AG is pictured at the entrance of the Frankfurt stock exchange February 1, 2012. REUTERS/Alex Domanski