Südeuropa-Ausflug bringt Credit Agricole Mega-Verlust

Mittwoch, 20. Februar 2013, 17:20 Uhr
 

Paris (Reuters) - Die Folgen der Schuldenkrise in Südeuropa haben der französischen Bank Credit Agricole den größten Verlust seit dem Börsengang vor zwölf Jahren eingebrockt.

Der Fehlbetrag summierte sich 2012 auf satte 6,5 Milliarden Euro, wie das Institut am Mittwoch einräumte. Der Credit Agricole gehört mehrheitlich regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die Bank hatte schon vor zwei Wochen davor gewarnt, dass Abschreibungen auf die Werte von Beteiligungen in Südeuropa und auf Kredite in Italien das vierte Quartal mit 3,8 Milliarden Euro belasteten. Nun kamen überraschend noch 838 Millionen Euro hinzu, weil die Behörden die Verluste mit der im Herbst verkauften griechischen Tochter Emporiki rückwirkend steuerlich nicht mehr anerkennen wollen.

"Die Regierung hat uns erst am Montag gesagt, dass diese Verluste nicht mehr steuerwirksam sind", sagte Finanzvorstand Bernard Delpit. Die Bank Emporiki war an die griechische Alpha Bank gegangen. Die Franzosen bekamen dafür nur einen symbolischen Euro, mussten aber 550 Millionen Euro frisches Kapital nachschießen. Schon zuvor hatten sie eine 2,9 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung finanziert. Die Belastung sollte eigentlich von der Steuerlast abgezogen werden - noch vor einer Gesetzesänderung der sozialistischen Regierung, die solche Steuervorteile strich. Ein Londoner Analyst sagte: "Das zeigt die Haltung gegenüber den Banken." Seit 2006 hatte der Credit Agricole rund zehn Milliarden Euro in die Bank Emporiki gepumpt.

AKTIE TROTZ MILLIARDEN-VERLUST GEFRAGT

Der Steuereffekt ließ den Verlust allein im vierten Quartal auf fast vier Milliarden Euro anschwellen. Ohne Sondereffekte hätte Credit Agricole allerdings 548 Millionen Euro verdient, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor und deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. Das trieb die Aktie um 5,2 Prozent nach oben, obwohl die Dividende für 2012 gestrichen wurde und die Probleme in Italien und Portugal weiter auf der Bank lasten.

"Im Jahr 2012 haben wir das Blatt gewendet und den Konzern grundlegend neu aufgestellt", bilanzierte Vorstandschef Jean-Paul Chiffet. "Der Rückzug aus Griechenland war teuer, aber er war notwendig." Für 2013 rechne er mit deutlich schwarzen Zahlen. Im Herbst will Chiffet die Strategie für die nächsten drei Jahre vorstellen. "Es wird zwei Prioritäten geben, die uns leiten: die Verbesserungen in unserer kundenorientierten Universalbank zu beschleunigen und die Veränderungen im Spezial-Kreditgechäft zu vertiefen, mit denen wir schon begonnen haben:"

In Italien leidet die Bank immer noch unter dem Kredit- und Konsumkreditgeschäft, in dem Abschreibungen fällig wurden. Die restliche Beteiligung an der italienischen Bank Intesa Sanpaolo wurde im zweiten Halbjahr 2012 mit einem Verlust von 445 Millionen Euro verkauft. Die verbliebene Tochter Cariparma will nun 720 Stellen streichen, etwa doppelt so viele wie bisher geplant. Auch die Beteiligung an der portugiesischen Banco Espirito Santo verlor angesichts der Schuldenkrise an Wert.

 
Passers-by walk in front of a branch of French bank Credit Agricole in Marseille February 1, 2013. REUTERS/Jean-Paul Pelissier (FRANCE - Tags: BUSINESS)