Streiks gegen Sparprogramm lähmen Griechenland

Mittwoch, 20. Februar 2013, 17:25 Uhr
 

Athen (Reuters) - Massive Streiks gegen höhere Steuern und gekürzte Löhne haben am Mittwoch Griechenland gelähmt.

Die Fähren blieben in den Häfen. Staatliche Schulen waren geschlossen. In Krankenhäusern gab es nur einen Notdienst. Allein in Athen protestierten mehr als 60.000 Menschen gegen das massive Sparprogramm der Regierung. "Der heutige Streik ist ein neuer Versuch, das Rettungsprogramm loszuwerden und all diejenigen, die das Volk ausnutzen und nur Leid bringen", sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos, in Athen. "Eine soziale Explosion steht kurz bevor."

Seine Gewerkschaft vertritt die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und hat gemeinsam mit der GSEE zum landesweiten, 24 Stunden dauernden Ausstand aufgerufen. In den beiden größten Gewerkschaften sind rund 2,5 Millionen Beschäftigte organisiert. Sie protestieren gegen das drastische Sparprogramm, mit dem die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras eine Pleite des hoch verschuldeten Landes abwehren will. "Unser Kampf wird weitergehen, so lange an dieser Politik festgehalten wird", kündigte die Gewerkschaft GSEE an.

"DIEBE! DIEBE!"

In Athen empörten sich die Demonstranten über die von der Regierung verordneten Lohnkürzungen und Steuererhöhungen. "Diebe, Diebe!", riefen sie und zogen mit Trillerpfeifen und Trommeln vor das Parlament. Bei der größten Protestkundgebung seit Monaten kam es auch zu Krawallen. Die Polizei setzte Tränengas gegen meist jugendliche Demonstranten ein, die mit Steinen und Flaschen warfen. Vor allem unter den Jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit mit 60 Prozent enorm. Sechs Jahre Rezession und drei Jahre drastischer Sparmaßnahmen haben die Arbeitslosenquote insgesamt verdreifacht: Heute steht mehr als jeder Vierte ohne Job da.

Seit Beginn der Schuldenkrise 2009 wurde das Land, in dem rund elf Millionen Menschen leben, immer wieder von Generalstreiks lahmgelegt. "Wir sind am Boden", sagte Nikos Papageorgiou, ein 56-jähriger Beamter. "Das Land wurde zerstört, die Jugend wurde zerstört. Ich bin wütend auf die Europäer und auch auf unsere Politiker. Sie gehören alle ins Gefängnis."

"Griechenland unternimmt große Anstrengungen, um zum Wirtschaftswachstum zurückzukehren, um wieder bessere Tage zu erleben", sagte dagegen Regierungssprecher Simos Kedikoglou im griechischen Hörfunk. Doch während alles versucht werde, um Investoren anzulocken, liefen die Bilder von den Protesten diese Bemühungen entgegen.

Die Regierung hat allein in diesem Jahr zwei Mal streikende Seeleute und U-Bahn-Beschäftigte per Notverordnung zurück zur Arbeit geschickt, nachdem es bei einem wochenlangen Streik zu Nahrungsengpässen auf Inseln und einer Lähmung des öffentlichen Nahverkehrs in Athen gekommen war. Am Montag lenkte die Regierung aber ein und zog ihren Plan zurück, fast 1900 Beschäftigte im öffentlichen Dienst zu entlassen.

 
Protesters march during an anti-austerity rally in central Athens February 20, 2013. Tens of thousands of Greeks took to the streets of Athens on Wednesday during a nationwide strike against wage cuts and high taxes that kept ferries stuck in ports, schools shut and hospitals with only emergency staff. REUTERS/John Kolesidis (GREECE - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT CIVIL UNREST)