Allianz wieder auf Rekordkurs - Knausert bei Dividende

Donnerstag, 21. Februar 2013, 14:46 Uhr
 

München (Reuters) - Die Allianz hat Hurrikan "Sandy" und die Zinsflaute gut weggesteckt und 2012 das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren.

Das operative Ergebnis stieg um ein Fünftel auf 9,5 Milliarden Euro, wie Europas größter Versicherer am Donnerstag mitteilte. Mehr verdiente die Allianz nur 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, rechnet man im Rückblick den unrühmlichen Ausflug ins Bankgeschäft heraus. Ins neue Jahr geht Vorstandschef Michael Diekmann mit Optimismus: Die Schuldenkrise habe sich entspannt, Europa dürfe in seinen Reformbemühungen aber nicht nachlassen, mahnte er. Die Allianz könne in diesem Umfeld ein Ergebnis von 9,2 Milliarden Euro schaffen - "plus/minus 500 Millionen Euro".

Der Nettogewinn verdoppelte sich im abgelaufenen Jahr auf 5,2 Milliarden Euro. Allerdings hatten 2011 auch milliardenschwere Abschreibungen auf griechische Anleihen die Bilanz belastet. 40 Prozent des Überschusses sollen nun als Dividende an die Aktionäre fließen - wie im Vorjahr 4,50 Euro je Aktie. Das vergrätzte die Anleger: Die Allianz-Aktie verlor bis zum Mittag mehr als ein Prozent, allerdings notierte der gesamte Dax noch tiefer im Minus. Angesichts der starken Zahlen sei die Ausschüttung eher enttäuschend, stellte DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel fest.

WENIG NATURKATASTROPHEN

Diekmann zeigte sich mit dem Zahlenwerk zufrieden. Selbst die erst im Herbst nach oben geschraubte Prognose sei noch übertroffen worden, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz. "Dieses Ergebnis zeigt, wie gut unser Geschäftsmodell die vielen Turbulenzen der Finanzkrise ausgleichen kann." In allen Kerngeschäftsfeldern verbuchte der Konzern zweistellige Wachstumsraten.

Bereits Mitte Januar hatte die Allianz in Sachen "Sandy" Entwarnung gegeben. Der Hurrikan war im Oktober über Nordamerika hinweggefegt und hatte vor allem in der Region New York milliardenschwere Schäden angerichtet. Auf die Allianz entfallen 455 Millionen Euro - was locker ins Budget passte. Insgesamt gab es 2012 vergleichsweise wenig Naturkatastrophen. Das operative Ergebnis der Schaden- und Unfallversicherung, dem Kernsegment, stieg daher um 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich insgesamt auf 96,3 (2011: 97,8) Prozent, auch wenn sich der US-Markt schwächer entwickelte. Bei Werten von unter 100 Prozent sind Zahlungen für Schäden und die Verwaltung noch durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Auch die Lebensversicherung legte zu und profitierte von einem höheren Anlageergebnis. Ihr läuft inzwischen aber die Vermögensverwaltung den Rang ab, die sich zum zweitwichtigsten Standbein der Allianz gemausert hat. 2012 trug sie mit drei Milliarden Euro fast ein Drittel zum operativen Konzernergebnis bei. Vor allem der weltgrößte Anleihehändler Pimco mit Investmentstars wie Bill Gross sammelt ordentlich neue Gelder ein und lässt die Kasse klingeln. Das verwaltete Vermögen der gesamten Asset-Management-Sparte liegt inzwischen bei fast 1,9 Billionen Euro, zum Vorjahr ein Plus von zwölf Prozent. Große Konkurrenten wie die Deutsche Bank tun sich in der Vermögensverwaltung derzeit deutlich schwerer.

"KÜNSTLICHE NIEDRIGZINSEN"

Die krisenbedingte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht es allerdings immer schwerer, das Geld lukrativ am Kapitalmarkt anzulegen, wie Diekmann einräumte. Er sprach von einer "künstlichen Niedrigzinsphase", die das "überragende" Thema für die Allianz auch 2013 sein werde. Weil sichere Bundesanleihen quasi nichts mehr abwerfen, geht die Allianz mehr und mehr in renditestärkere Immobilien- und Infrastrukturinvestments, ist damit aber nicht allein auf weiter Flur.

An die Politiker richtete Diekmann die Warnung, Europa sei noch längst nicht über den Berg. Die EZB habe erst einmal Zeit gekauft. Jetzt gehe es darum, die Sparanstrengungen fortzusetzen und gleichzeitig für Wachstum zu sorgen. "Angesichts dieser Doppelaufgabe erwarten wir für Europa im laufenden Jahr eine weitere Periode des Übergangs, in der die Anpassungen langsam greifen, aber weitere Konsolidierungsmaßnahmen auch belastend wirken." Hinter die Reformbemühungen in Spanien setzt die Allianz offenbar ein großes Fragezeichen: Der Versicherer baute seinen Bestand an spanischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr um rund die Hälfte auf 2,6 (Ende 2011: 5,1) Milliarden Euro ab, stockte dafür aber in Italien auf.