Mögliches Ende der Geldflut drückt Dax und Euro

Donnerstag, 21. Februar 2013, 14:46 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das mögliche Ende der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat am Donnerstag den europäischen Aktien- und Devisenanlegern schwer zu schaffen gemacht.

Dazu kamen Sorgen, dass sich die Wirtschaft in der Euro-Zone nicht so schnell wie erhofft erholt. Über allem schwebt außerdem noch das Damoklesschwert der italienischen Parlamentswahlen am Sonntag und Montag.

Kein Wunder also, dass Anleger Kasse machten: Der Dax rutschte um 1,7 Prozent auf 7599 Punkte, EuroStoxx und CAC40 verloren ähnlich stark. In Mailand gab der Leitindex sogar 2,5 Prozent nach. Der Euro büßte zum Vortages-EZB-Referenzwert fast zwei US-Cent auf rund 1,32 Dollar ein.

Aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der Januar-Sitzung der Fed war hervorgegangen, dass einige Notenbanker Zweifel an Sinn und Wirksamkeit der extrem lockeren US-Geldpolitik haben und eine Drosselung oder eine Einstellung des milliardenschweren Anleihekaufprogramms für möglich halten. Schon an der Wall Street hatte dies im späten Handel die Kurse belastet. Auch an den asiatischen Börsen war es deutlich nach unten gegangen. Das Protokoll sei ein erster Warnschuss für die Anleger, sich mit der Idee eines vorzeitigen Endes der lockeren US-Geldpolitik auseinanderzusetzen, kommentierten die Analysten der Metzler Bank.

Als Warnung interpretierten viele Anleger auch die Umfragen des Markit-Instituts unter Einkaufsmanagern zum Geschäftsverlauf. Danach beschleunigte die Privatwirtschaft in der Euro-Zone im Februar überraschend ihre Talfahrt.

Auch die Angst vor einem Comeback von Silvio Berlusconi bei den anstehenden italienischen Wahlen belastete die Märkte. "Sollte der Cavaliere tatsächlich in Rom wieder an die Macht oder auch nur in ihre Nähe kommen, wird das nicht nur den italienischen Anleihen den Garaus machen. Dann wird die ganze Euro-Zone abgestraft und die Aktienkurse dürften in den Keller rauschen", sagte ein Börsianer. Berlusconi will viele Reformen zurückdrehen. In den letzten Umfragen Anfang Februar lag die Mitte-Links-Allianz von Pier Luigi Bersani vorne. Aber Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis gewinnt an Zustimmung, und wegen des großen Anteils unentschlossener Wähler schließen einige seinen Wahlsieg nicht ganz aus.

REIN IN BUNDESANLEIHEN - RAUS AUS DEN ROHSTOFFEN

Gegen den Trend stemmten sich nur wenige Titel - im Dax lagen am späten Vormittag alle Aktien im Minus. Dazu zählten auch die Allianz mit einem Abschlag von gut einem Prozent. Dabei bewerteten Börsianer die Jahresbilanz 2012 von Europas größtem Versicherer als solide. Am Ende habe in einem schwachen Marktumfeld wohl die Enttäuschung einiger Anleger über den Verzicht auf eine Dividendenerhöhung den Ausschlag gegeben, hieß es.

Europaweit standen die Titel großer Bankhäuser auf den Verkaufszetteln, da Anleger fürchteten, dass ihnen die Unterstützung durch die Notenbanken wegbrechen könnte. Im Dax verloren Deutsche Bank und Commerzbank jeweils mehr als drei Prozent - etwa so viel wie im Schnitt die übrigen europäischen Banken. "Anleger halten diese Titel für extrem riskant, denn schließlich waren es ja die Banken, die uns das alles eingebrockt haben", sagte ein Händler.

Das Streben nach Sicherheit war auch am Rentenmarkt ablesbar: So standen Bundesanleihen hoch im Kurs. Der Bund-Future stieg um 75 Ticks auf 143,17 Punkte, während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf rund 1,60 von 1,66 Prozent am Vortag sank. Italienische und spanische Anleihen wurden verkauft. Entsprechend zogen ihre Renditen an.

An den Rohstoffmärkten ging es mit den Preisen nach unten. Ein Fass (159 Liter) Brentöl verbilligte sich um ein Prozent auf 114,47 Dollar. Aber auch auf Industriemetalle wollten die Anleger nicht mehr setzen: Der Kupferpreis rutschte um ein Prozent ab.