Sinkende Exporte lassen deutsche Wirtschaft schrumpfen

Freitag, 22. Februar 2013, 11:48 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Wegen sinkender Exporte und Investitionen ist die deutsche Wirtschaft Ende 2012 so stark geschrumpft wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise nicht mehr.

Allein die Ausfuhren fielen - verglichen mit dem Sommer - um zwei Prozent und damit so heftig wie seit Anfang 2009 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Zudem investierten die Firmen deutlich weniger als zuvor, was die anhaltende Unsicherheit in der Schuldenkrise widerspiegelt. Von Oktober bis Dezember ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent zum Vorquartal zurück. "Das sind schlechte Zahlen, wenn man in den Rückspiegel schaut", sagte der Europa-Chefökonom von Nordea, Holger Sandte. "Aber wer nach vorne blickt, erkennt einige Hoffnungsschimmer."

Für das laufende Quartal erwarten viele Fachleute, dass die heimische Konjunktur wieder spürbar anzieht. "Deutschland rutscht nicht in die Rezession", sagte beispielsweise Alexander Koch von der Unicredit. Auch die lange schwächelnde Industrie habe zum Jahresende die Talsohle erreicht. Den Aufwärtstrend dürfte ebenfalls das Ifo-Geschäftsklima zeigen, für das rund 7000 Manager befragt werden. Das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur steigt im Februar wohl zum vierten Mal in Folge.

EXPORTEURE ALS ZÜNGLEIN AN DER WAAGE

Ein Grund für die Zuversicht ist, dass die Exporteure wieder bessere Geschäfte machen. Ende 2012 sah das noch anders aus: Erstmals seit mehr als einem Jahr belastete der Außenhandel die Wirtschaft und bremste das Wachstum deutlich. Auch die Investitionen sanken. Für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen gaben die Unternehmen zwei Prozent weniger aus als im Vorquartal, in Bauten wurde ebenfalls etwas weniger investiert.

Für das Gesamtjahr 2013 erwarten Bundesregierung und Bundesbank ein Wachstum von 0,4 Prozent, 2012 waren es 0,7 Prozent. Trotz des Konjunktureinbruchs am Jahresende schaffte der Gesamtstaat 2012 erstmals seit fünf Jahren einen Haushaltsüberschuss. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen rund 4,1 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Der Überschuss entspricht nach Angaben der Statistiker 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

 
Containers are seen at the container terminal "Burchardkai" of the Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) in the harbour of Hamburg October 17, 2012. Two years after expanding at its fastest rate since reunification, Germany's economic growth is seen at just 1 percent next year, finally hit by the euro zone crisis that has hammered most of its partners. The government chopped its 2013 growth forecast on Wednesday to 1 percent, down from a 1.6 percent forecast in April. For this year, the economy ministry expects growth of 0.8 percent, up from 0.7 percent in April. Picture taken October 17. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS MARITIME) - RTR399WV