Deutsche Wirtschaft vor Aufschwung - Euro-Zone nicht

Freitag, 22. Februar 2013, 16:58 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Deutschland steht im Unterschied zu den meisten anderen Euro-Ländern vor einem Aufschwung.

Die Stimmung in den Chefetagen der hiesigen Firmen hellte sich im Februar den vierten Monat in Folge auf und ist nun so gut wie seit zehn Monaten nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklima-Index kletterte überraschend deutlich um 3,1 auf 107,4 Punkte, wie das Münchner Institut am Freitag mitteilte. "Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die EU-Kommission sagt ihr in diesem Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus, das sich 2014 auf 2,0 Prozent vervierfachen soll. Der Euro-Zone droht dagegen ein weiteres Rezessionsjahr.

Schrumpfende Exporte und Investitionen hatten das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal mit 0,6 Prozent so stark einbrechen wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht darin aber nur einen Ausrutscher. "Die Ifo-Zahlen zeigen, dass man in der Tat davon ausgehen kann, dass wir uns schrittweise, langsam auf niedrigem Niveau im Aufschwung befinden", sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen der Nachrichtenagentur Reuters. Das erste Quartal dürfte "deutlich besser laufen".

SCHLAPPE EURO-ZONE

Nicht so rosig sieht es dagegen für die Euro-Zone aus, wohin etwa 40 Prozent der deutschen Exporte gehen. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 0,3 Prozent zurückgehen, nachdem es 2012 schon um 0,6 Prozent gesunken war, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn voraus. "Wir werden nur eine sehr moderate Erholung sehen in der Euro-Zone, die ab der zweiten Jahreshälfte einsetzen könnte", ergänzte EZB-Direktor Asmussen. Für Frankreich erwartet die EU-Kommission zumindest noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent. In Italien dürfte es dagegen um 1,0 Prozent nach unten gehen, in Spanien sogar um 1,4 Prozent.

Trotz der Schwäche der Nachbarn rechnen die deutschen Exporteure mit einem Aufschwung. "Deutsche Produkte sind gefragt", erklärte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Daran ändere auch der gestiegene Euro-Kurs nichts, der Waren in Übersee verteuert. Noch optimistischer ist die Baubranche, die ihre Aussichten so positiv eingeschätzt wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. "Dem Bau geht es sehr gut, die Auftragsbücher sind voll." Befeuert wird der Bauboom vor allem von niedrigen Zinsen. Auch bei den Dienstleistern und Großhändlern erhielten die Optimisten Zulauf, im Einzelhandel blieb die Stimmung stabil.

"INVESTITIONSSTAU LÖST SICH"

Das Ifo-Institut rechnet deshalb damit, dass die Unternehmen bald wieder mehr Geld ausgeben werden. "Der Investitionsstau beginnt sich aufzulösen", sagte Wohlrabe. "Erwartungen und Lage der Investitionsgüter-Industrie haben sich deutlich gebessert." 2012 waren die Investitionen von Quartal zu Quartal gesunken. Ziehen sie wieder an, belebt das die Binnenkonjunktur.

Ökonomen erwarten deshalb eine rasche Belebung. "Schon im ersten Quartal werden wir wieder ordentliches Wachstum sehen, das den heftigen Rückgang zum Jahresende größtenteils kompensiert", prognostizierte der Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW, Jörg Zeuner. "Ich rechne mit einem Quartalsplus von 0,4 Prozent."

 
Head of the German Insititute for Economic Research (Ifo) Hans-Werner Sinn gestures during a news conference in Munich, December 11, 2008. REUTERS/Alexandra Beier