Ausgang von Italien-Wahl völlig offen - Wahlkampf beendet

Freitag, 22. Februar 2013, 19:00 Uhr
 

Rom (Reuters) - Unmittelbar vor der Parlamentswahl in Italien am Sonntag und Montag ist der Ausgang völlig offen.

Die Parteien beendeten am Freitagabend ihre Kampagnen um die Gunst der Wähler. Nach Einschätzung von Meinungsforschern lässt sich keine verlässliche Prognose über das Ergebnis abgeben. "Diese Wahl lässt sich alles andere als sicher vorhersagen", sagte ein italienischer Demoskop, der wegen des zwei Wochen vor der Wahl geltenden Verbots von Umfragen anonym bleiben wollte. "Ein Prozentpunkt in die eine oder andere Richtung kann zu Chaos oder einem klaren Ergebnis führen."

Die letzten Umfragen deuteten darauf hin, dass es in der Abgeordnetenkammer und im Senat zu einer arbeitsfähigen Mehrheit der linken Mitte unter Spitzenkandidat Pier Luigi Bersani mit der Zentrumsbewegung von Ministerpräsident Mario Monti reichen könnte. Allerdings hat die Partei des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi mit dem Versprechen von Steuersenkungen zum Linksbündnis um die sozialdemokratisch orientierte Demokratische Partei aufgeschlossen. Der umstrittene und in viele Skandale verwickelte Medienunternehmer Berlusconi strebt zum fünften Mal seit 1994 an die Macht.

Das mögliche Comeback des Milliardärs sorgt für Unruhe an den Märkten und bei Partnern in der Euro-Zone wie etwa Deutschland. So hat Berlusconi angekündigt, viele Reformen der Technokraten-Regierung von Monti zurückzunehmen. Mit Spannung warten Beobachter auch auf das Abschneiden der Protestbewegung des Komikers Beppo Grillo, die vom Frust der Wähler über die als korrupt geltende Politikerkaste profitieren könnte.

Für Unsicherheit sorgt zudem das komplizierte Wahlrecht. Die Sitze für das Abgeordnetenhaus werden landesweit vergeben, wobei der stärksten Partei ein kräftiger Bonus winkt. Damit kommt sie auf eine Mehrheit von 55 Prozent. Für den gleichberechtigten Senat werden die Sitze dagegen in den Regionen vergeben, so dass es in der zweiten Kammer andere Mehrheitsverhältnisse geben kann. Einige Meinungsforscher halten es für möglich, dass die Linke die Mehrheit im Senat knapp verfehlen wird.

 
Italy's former Prime Minister Silvio Berlusconi gestures as he appears as a guest on the RAI television show Porta a Porta (Door to Door) in Rome February 20, 2013. REUTERS/Remo Casilli