Insider: RWE verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen

Samstag, 23. Februar 2013, 12:55 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Energiekonzern RWE will Insidern zufolge weitere zwei Jahre auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.

Dies sei Teil der am Freitagabend erzielten Tarifvereinbarung des Managements mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE, sagten zwei mit dem Verhandlungsergebnis vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vereinbarung sehe je nach Lesart eine Erhöhung der Löhne und Gehälter von 2,3 bis 2,5 Prozent über zwei Jahre vor, sagte eine Person. Eine weitere sprach von zwei Stufen in Höhe von 2,75 und 1,75 Prozent plus Einmalzahlungen. Die Gewerkschaften und der Konzern wollten sich am Samstag nicht zu der Vereinbarung äußern, da sie am Montag noch endgültig unter Dach und Fach gebracht werden muss. Dann kommt die Tarifkommission der Gewerkschaften zusammen.

Verdi und IG BCE hatten für die 30.000 Beschäftigten in Deutschland sechs Prozent mehr Lohn gefordert. Sie hatten die Tarifverhandlungen an eine Verlängerung der Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung geknüpft. Die Arbeitnehmervertreter wollten die Beschäftigungssicherung um zehn Jahre verlängern. RWE-Vorstandschef Peter Terium hatte dies abgelehnt, zwei Jahre aber bereits in Aussicht gestellt. Er forderte aber im Gegenzug mehr Flexibilität, wenn den Mitarbeitern andere Jobs innerhalb des Konzerns angeboten werden. Auch hierzu habe es eine Einigung gegeben, sagten die Insider.

ERSTER STREIK SEIT FAST 100 JAHREN SO GUT WIE ABGEWENDET

Terium ist auf eine gute Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften angewiesen. Er will in dem Konzern, der durch die Atomwende und das schwächelnde Gasgeschäft unter Druck geraten ist, tausende Stellen streichen. Der Konzern will sich zudem von weiteren Beteiligungen trennen, um die klamme Kasse zu füllen. Bis Ende dieses Jahres will Terium so bis zu sieben Milliarden Euro einnehmen, mehr als 1,8 Milliarden Euro hat er bereits zusammen. Der nach E.ON zweitgrößte deutsche Versorger hat über 34 Milliarden Euro Schulden. Terium hat dies als deutlich zu hoch bezeichnet.

Beim Konkurrenten E.ON hatten am Donnerstag die organisierten Beschäftigten einer Tarifvereinbarung zugestimmt. Danach erhalten die 30.000 Mitarbeiter in Deutschland ab Januar 2,8 Prozent mehr Lohn und für März eine Einmalzahlung von 300 Euro. Die Laufzeit beträgt 13 Monate. Sowohl bei E.ON als auch bei RWE hatte während des Tarifstreits ein Arbeitskampf gedroht. Bei dem 1898 gegründeten Versorger RWE wäre es der erste Streik seit fast 100 Jahren gewesen.

- von Tom Käckenhoff

 
REUTERS/Ina Fassbender