RTL beglückt Bertelsmann mit Milliardendividende

Montag, 25. Februar 2013, 17:08 Uhr
 

München (Reuters) - Bertelsmann schlachtet vor dem Verkauf von RTL-Anteilen das Sparschwein seiner Fernsehtochter und brummt ihr eine halbe Milliarde Euro Schulden auf.

Trotz eines Gewinneinbruchs verdoppelt RTL die Ausschüttung an den Medienkonzern und die wenigen außenstehenden Aktionäre auf 1,6 Milliarden Euro. Dafür steht die bisher schuldenfreie Fernsehgruppe nun bei ihrem Mutterunternehmen in der Kreide, das sich für Investitionen in neue Geschäftsfelder rüstet.

Damit werde das Kapital von RTL künftig wirtschaftlicher eingesetzt, argumentierte RTL-Chef Guillaume de Posch am Montag. Bisher hat das Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro auf der hohen Kante, die sich angesichts der niedrigen Marktzinsen kaum lukrativ anlegen lassen. Dem RTL-Konkurrenten ProSiebenSat.1 wurden von seinen Hauptaktionären ebenfalls Schulden aufgebürdet, die nach Marktschätzungen zuletzt doppelt so waren wie das Betriebsergebnis (Ebitda). Bei RTL sollen sie laut de Posch halb so hoch ausfallen wie das Ebitda.

Bertelsmann hält über 92 Prozent der RTL-Anteile und will ein Paket von bis zu 17 Prozent verkaufen, um Geld für Investitionen in neue Geschäftsfelder hereinzubekommen. Bereits am 7. März soll die Dividende am die RTL-Aktionäre fließen. Im Gegenzug erhält RTL von Bertelsmann einen Kredit von 500 Millionen Euro, der über zehn Jahre läuft und mit 2,71 Prozent verzinst wird. Darüber hinaus stellt der Medienkonzern seiner Tochter eine Kreditlinie von einer Milliarde Euro bereit.

Künftig gönnt RTL seinen Aktionäre allerdings weniger Geld als bisher: Um genug Geld für Investitionen zu haben, sollen nur noch 50 bis 75 Prozent des Nettogewinns ausgeschüttet werden. In den vergangenen Jahren überwies der Konzern nach Unternehmensangaben mehr als seinen Gewinn an die Anteilseigner.

SCHWIERIGE WERBEMÄRKTE IN SÜD- UND WESTEUROPA

Obwohl der Konzernumsatz im vergangenen Jahr um vier Prozent auf sechs Milliarden Euro stieg, brach der Gewinn im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf knapp 600 Millionen Euro ein. Auch operativ ging der Gewinn zurück: Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) erwirtschaftete RTL 1,1 Milliarden Euro, knapp fünf Prozent weniger als vor einem Jahr.

Probleme in mehreren europäischen Ländern machten Zugewinne der Sender im wichtigen deutschen Markt zunichte. Allein in Spanien schrieb RTL 72 Millionen Euro auf eine Senderbeteiligung ab, weil die Werbeeinnahmen in dem krisengeschüttelten Land wegbrachen. "Während der TV-Werbemarkt in Deutschland leicht zulegte, lagen die Märkte in Frankreich, den Niederlanden und Belgien unter Vorjahresniveau - mit einem signifikanten Rückgang in der zweiten Jahreshälfte", sagte RTL-Co-Chefin Anke Schäferkordt.

RTL ist die wichtigste Tochter von Bertelsmann. Der Medienkonzern aus Gütersloh hatte bereits Ende Januar ein Umsatzplus im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 16 Milliarden Euro bekannt gegeben. Der Betriebsgewinn (operating EBIT) stagnierte mit 1,7 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau - geschmälert wurde er durch Investitionen und Anlaufverluste für Digitalisierungsvorhaben und neue Geschäfte. Näher will sich der Konzern erst bei der Vorlage der Jahresbilanz am 26. März äußern. RTL-Konkurrent ProSiebenSat.1 veröffentlicht seine Zahlen an diesem Donnerstag.

Angesichts der schleppenden Wirtschaftsentwicklung in Europa will Bertelsmann-Chef Thomas Rabe den Konzern mit neuen Geschäftsfeldern breiter aufstellen. Dafür könnte er allein mit dem RTL-Paket um die zwei Milliarden Euro erlösen. Kreisen zufolge sind bereits mehrere Banken mit der Investorensuche beauftragt. Rabe plant einen Ausbau des digitalen Geschäfts, des Bildungsangebots und des Musikrechtegeschäfts. Als Wachstumsmärkte hat er China, Indien, Brasilien und die USA ins Visier genommen.

 
A satellite dish of RTL Television is seen on the roof of the former RTL headquarters in Cologne November 12, 2012. Media conglomerate Bertelsmann and its RTL Group warned the economic crisis in Europe would weigh on earnings this year as companies spend less on advertising. RTL Group, majority owned by Bertelsmann, earlier said it still expected its 2012 operating profit to drop, citing an "increasingly tough economic environment". And while the euro zone crisis has started to hit the German economy, RTL said its TV advertising sales slightly increased in Europe's biggest economy. Picture taken November 12. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS MEDIA) - RTR3ACCE