Freund laxer Geldpolitik soll Japans Notenbank führen

Montag, 25. Februar 2013, 13:22 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Japan will Insidern zufolge mit Haruhiko Kuroda einen Anhänger einer ultra-laxen Geldpolitik zum Chef der Notenbank küren.

Die Personalie werde voraussichtlich noch diese Woche dem Parlament zur Zustimmung vorgelegt, hieß es am Montag in mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen. Kuroda liegt mit Regierungschef Shinzo Abe auf einer Linie: Beide wollen die Notenpresse noch schneller rotieren lassen, um das asiatische Land aus der Wirtschaftskrise zu führen.

Japan hat mit der Geldschwemme bereits seit längerem den Yen auf Talfahrt geschickt und damit Kritiker im Ausland auf den Plan gerufen, die eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten japanischer Exporteure beklagen. Sollte Kuroda das Ruder bei der Bank von Japan (BOJ) übernehmen, rechnen Experten bereits im April mit einer noch schärferen Gangart der Notenbank im Kampf gegen die hartnäckige Deflation.

Abe war Ende 2012 mit dem Ziel angetreten, den grassierenden Preisverfall mit Hilfe der Notenpresse aggressiv zu bekämpfen. Das Land ist seit Jahren in einer Spirale aus fallenden Preisen und niedriger Investitionsneigung gefangen. Trotz der Geldschwemme sieht sich die Tokioter Regierung international nicht als Währungsmanipulator an den Pranger gestellt. Das Land kann sich dabei durch die jüngste G20-Erklärung bestätigt fühlen, in der sich die großen Industrie- und Schwellenländer zu freien Wechselkursen bekennen, jedoch keine konkreten Verstöße gegen dieses Prinzip rügen.

BEKANNT FÜR INTERVENTIONEN AM DEVISENMARKT

Bereits als früherer Vize-Finanzminister Japans intervenierte Kuroda aggressiv am Devisenmarkt, um den Yen zu schwächen und damit die exportlastige Wirtschaft zu stützen. Der Kapitalmarkt reagierte positiv auf die sich abzeichnende Nominierung. Die japanische Währung fiel auf den niedrigsten Stand seit 33 Monaten. Am Aktienmarkt kletterte der Nikkei dagegen auf den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren. Die Hoffnung auf eine anhaltend lockere Geldpolitik der Zentralbank in Tokio und auch in den USA beflügelte zudem die deutsche Börse: Der Leitindex Dax kletterte um mehr als zwei Prozent.

Wie eine mit den Überlegungen der Regierung vertraute Person ergänzte, soll Kikuo Iwata, der sich für ungewöhnliche Schritte zur Lockerung der Geldpolitik starkmacht, als ein Stellvertreter von Kuroda nominiert werden. Iwata sagte Journalisten, ihm sei der Posten angeboten worden und er wolle annehmen.

Zuletzt hatte Ministerpräsident Abe die Nominierung des neuen Notenbankchefs aufgeschoben und damit Spekulationen über Differenzen in der Regierung ausgelöst. Die Nachfolge an der Spitze der Notenbank wird nötig, da der geldpolitisch relativ gemäßigt agierende Zentralbankchef Masaaki Shirakawa am 19. März abtritt. Der Notenbanker, der mit Abe überkreuz liegt, hatte sich gegen den wachsenden Druck der Regierung gestemmt und damit die noch junge Unabhängigkeit der BOJ zu wahren versucht.

SCHÄRFERER KURS GEGEN DIE DEFLATION   Fortsetzung...

 
A Japanese national flag is hoisted at Bank of Japan headquarters in Tokyo February 25, 2013. Japan's prime minister is likely to nominate an advocate of aggressive monetary easing - Asian Development Bank President Haruhiko Kuroda - as the next central bank governor to step up his fight to finally rid the country of deflation. REUTERS/Yuya Shino (JAPAN - Tags: BUSINESS POLITICS)