Dt. Börse hat keine Lust auf Fusionen - Korb für die CME

Montag, 25. Februar 2013, 16:44 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Börse hat nach diversen gescheiterten Anläufen keine Lust mehr auf eine große Fusion.

Einem möglichen Zusammenschluss mit dem US-Konkurrent CME, über den eine Nachrichtenagentur berichtet hatte, erteilte Deutschlands größter Börsenbetreiber am Montag eine Absage. "Die Deutsche Börse befindet sich nicht in Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit der CME", erklärte der Frankfurter Konzern. "Wie wiederholt vom Unternehmen mitgeteilt, liegt der primäre strategische Fokus auf organischem Wachstum."

Vor gut einem Jahr war die Fusion der Deutschen Börse mit der New Yorker Nyse am Veto der EU-Kommission gescheitert. In den Jahren zuvor waren bereits Zusammenschlüsse mit der europäischen Mehrländerbörse Euronext und Londoner LSE geplatzt. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hat großen Übernahmen deshalb abgeschworen und wiederholt seit einem Jahr gebetsmühlenartig, dass der Konzern künftig aus eigener Kraft und durch Kooperationen wachsen will - insbesondere in Asien.

"Das entscheidende Wachstum in unseren Märkten konzentriert sich in Zukunft nicht mehr auf Europa oder Nordamerika, sondern auf Asien und Lateinamerika", hatte Francioni erst in der vergangenen Woche bei der Bilanzpressekonferenz betont. In diesen Wachstumsmärkten wolle das Unternehmen aus eigener Kraft und durch Kooperationen wachsen.

KURZER HÖHENFLUG

Der US-Konkurrent CME liebäugelt einem Medienbericht zufolge dagegen weiter mit großen Fusionen. Das Unternehmen aus Chicago habe der Deutschen Börse Ende 2012 und Anfang 2013 Gespräche über einen Zusammenschluss angeboten, berichtete Bloomberg. Der deutsche Konkurrent zögere jedoch, Verhandlungen aufzunehmen. Die Aktien der Deutsche Börse schossen nach der Bloomberg-Meldung zunächst rund zwölf Prozent nach oben, gaben nach dem Korb der Deutschen Börse jedoch einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab. Am Nachmittag lagen die Papiere noch rund vier Prozent im Plus und schnitten damit nur etwas besser ab als der Dax, der 2,5 Prozent gewann.

Branchenkenner sehen nur geringe Chancen, dass es zu einem Zusammenschluss von Deutscher Börse und CME kommt. "Das ist unwahrscheinlich", sagt ein Kenner des größten deutschen Börsenbetreibers. Da die Deutsche Börse gegen eine Fusion sei, bliebe CME nur ein feindliches Übernahmeangebot, betont ein anderer Branchenkenner. Dieser Weg sei für die US-Börse aber wohl zu teuer und zu kompliziert.

REGE BETRIEBSAMKEIT

Dass die CME angesichts der Neuordnung der Börsenlandschaft verschiedene Optionen auslotet, überrascht Experten hingegen nicht. Viele in der Branche hatten damit gerechnet, dass die CME früher oder später die Nyse schluckt. Dann aber legte Ende 2012 überraschenderweise der US-Konkurrent ICE ein gut acht Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot für die Nyse vor. Seitdem herrscht in der Börsen-Branche rege Betriebsamkeit. Kreisen zufolge hat auch US-Investorenlegende Warren Buffett für die Nyse geboten, kam allerdings nicht zum Zug. Die Finanzinvestoren Carlyle und Hellman & Friedman haben Insidern zufolge einen Kauf des US-Börsenbetreibers Nasdaq sondiert - diese Idee aber wieder verworfen.

Dass sich die Börsenbetreiber Gedanken über ihre künftige Ausrichtung machen, ist auch auf die steigende Konkurrenz durch alternative Handelsplattformen und die Flaute an den Märkten zurückzuführen. Besonders in Europa halten sich Investoren derzeit zurück. Zahlreiche Banken schrumpfen ihre Bilanzsummen und handeln wegen der höheren Eigenkapitalanforderungen weniger. Das Zocken auf eigene Rechnung haben die meisten Institute ganz eingestellt. Die Politik will das Geschäft mit spekulativen Finanzprodukten weiter zurückdrängen, unter anderem durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Trotz des politischen Gegenwinds gibt es allerdings nach wie vor großes Interesse am europäischen Derivatemarkt, der derzeit von der Deutschen-Börse-Tochter Eurex und der Nyse-Tochter Liffe dominiert wird. Neben der LSE-Tochter Turquoise und der ICE wollen künftig auch die Nasdaq und die CME im europäischen Derivatemarkt mitmischen. Die CME hat im Sommer 2012 bei der britischen Finanzmarktaufsicht FSA die Gründung einer Derivate-Börse in Großbritannien beantragt und will mit ihrer Europa-Tochter noch in diesem Jahr an den Start gehen. Damit will die CME ihre Kundenbasis außerhalb des USA weiter ausbauen - und würde der Deutschen Börsen Konkurrenz machen.

 
Reto Francioni, CEO of Deutsche Boerse Group, attends the public offering of the German branch of Spanish telecoms giant Telefonica at the Frankfurt Stock Exchange October 30, 2012. REUTERS/Ralph Orlowski