Schwellenländer sollen Chemiekonzern BASF auf Kurs halten

Dienstag, 26. Februar 2013, 11:26 Uhr
 

Ludwigshafen (Reuters) - Mit Rückenwind aus den Schwellenländern will der Chemiekonzern BASF der flauen Weltkonjunktur trotzen.

Nach Rekordwerten bei Umsatz und operativem Gewinn 2012 strebt das weltgrößte Chemieunternehmen im laufenden Jahr weitere Zuwächse an. Ziel sei es, auch 2013 zu wachsen und den Betriebsgewinn zu erhöhen, sagte Konzernchef Kurt Bock am Dienstag bei Vorlage der Bilanz 2012 in Ludwigshafen. "Wir hatten einen soliden Start im Januar", sagte Bock zu Reuters TV. Kunden füllten teilweise wieder ihre Läger. "Für die Chemieindustrie erwarten wir eine Erholung, die vor allem durch das stärkere Wachstum in den Schwellenländern gestützt wird", sagte Bock. Einfach wird es aber nicht. "2013 wird ein anspruchsvolles Jahr: Wir rechnen weiterhin mit einem unbeständigen Umfeld", räumte Bock ein.

Den Aktionären versprach Bock, 2013 erneut eine hohe Prämie auf die Kapitalkosten zu verdienen. An dieses Kriterium knüpft BASF eine mindestens stabile Dividende. Für 2012 sollen die Aktionäre eine um zehn Cent auf 2,60 Euro je Aktie aufgestockte Ausschüttung erhalten. Auch Sparanstrengungen sollen im laufenden Jahr das Ergebnis ankurbeln. Das laufende mehrjährige Sparprogramm Step soll schließlich ab Ende 2015 jährlich rund eine Milliarde Euro zum Ergebnis beitragen. Mit seinem Geschäftsausblick konnte BASF an der Börse allerdings keine Punkte machen. Die im Dax notierte BASF-Aktie büßte im Handelsverlauf mehr als drei Prozent ein.

ÖL UND GAS KURBELT ERGEBNIS AN

Im vergangenen Jahr profitierte BASF insbesondere von einem starken Öl- und Gasgeschäft sowie von einer kräftigen Nachfrage nach Agrarchemikalien. Der um Sondereinflüsse wie Restrukturierungen bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) nahm um fünf Prozent auf 8,9 Milliarden Euro zu. Der Ludwigshafener Konzern hatte nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes im Oktober 2011 seine Ölproduktion in der libyschen Wüste nach monatelanger Unterbrechung wieder hochgefahren und konnte das vergangene Jahr wieder durchgängig fördern. Die Produktionsmenge von 100.000 Barrel pro Tag von vor dem Bürgerkrieg hat BASF aber immer noch nicht erreicht. Zuletzt lag sie bei rund 80.000.

Im Geschäft mit Chemikalien für die Landwirtschaft schoben 2012 auch Preiserhöhungen das Ergebnis deutlich an. Die Nachfrage in Nordamerika nach Mitteln gegen Unkraut war hoch. Zur Stärkung seiner Pflanzenschutzsparte hatte BASF im vergangenen Jahr die US-Saatgutfirma Becker Underwood für 785 Millionen Euro übernommen. Auch bei den US-Rivalen Dow Chemical und Dupont lief die Agrarchemie zuletzt rund. In den Chemikalien- und Kunststoffsparten ging bei BASF dagegen das operative Ergebnis 2012 zurück.

WECHSELKURS BEGÜNSTIGT UMSATZENTWICKLUNG

BASF setzte im vergangenen Jahr 78,7 Milliarden Euro um, das sind sieben Prozent mehr als 2011. Dazu trugen günstige Währungseinflüsse und eine leichte Anhebung der Preise bei. Der Konzernüberschuss fiel 2012 allerdings um 21,2 Prozent auf 4,88 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor hatte BASF unter anderem von einer hohen Sonderzahlung über 600 Millionen Euro vom Rivalen Ineos profitiert, die bei Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Styrolution fällig wurde.

BASF-Chef Bock kündigte an, im laufenden Jahr bis zu 4,5 Milliarden Euro zu investieren. Das Geld soll unter anderem in mehrere große Anlagenprojekte fließen, wie etwa in den Bau einer Anlage für Weichschaum-Vorprodukte (TDI) am Stammsitz oder in den Bau einer Anlage für Hartschaum-Vorprodukte (MDI) im chinesischen Chongqing.

SCHWACHE ZAHLEN DER US-RIVALEN

Bislang fielen die Bilanzen der großen Chemiekonzerne eher durchwachsen aus. Der US-Rivale Dow Chemical rutschte wegen hoher Restrukturierungskosten und einer schwachen Kunststoffnachfrage im vierten Quartal sogar noch tiefer in die roten Zahlen. Auch beim US-Konkurrenten DuPont stotterten die Geschäfte aufgrund des härteren Marktumfelds. Der Gewinn brach im Schlussquartal um 70 Prozent auf 111 Millionen Dollar ein. Dem niederländischen Rivalen Akzo Nobel setzten hohe Abschreibungen auf das schwächelnde Farbengeschäft zu: Akzo wies für 2012 einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro aus. Ein Jahr zuvor hatte noch ein Gewinn von 477 Millionen Euro in den Büchern gestanden.