IG Metall will 5,5 Prozent Lohnzuschlag im Südwesten

Dienstag, 26. Februar 2013, 17:21 Uhr
 

Leinfelden-Echterdingen (Reuters) - 5,5 Prozent mehr Lohn: Mit dieser Forderung will die IG Metall in die Tarifrunde für die 740.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg ziehen.

"Wir wollen im Tarifjahr 2013 deutliche Impulse für mehr Kaufkraft setzen", sagte der Leiter des einflussreichen Bezirks Baden-Württemberg der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart am Dienstag. Die Forderungsempfehlung sei am Dienstag mit großer Mehrheit von der Großen Tarifkommission beschlossen worden. Die IG Metall würde damit bescheidener in die Tarifrunde gehen als die Gewerkschaften des Baugewerbes und des öffentlichen Dienstes, die mehr als sechs Prozent für ihre Mitglieder herausholen wollen.

2012 sei ein gutes Jahr für die Unternehmen der Branche mit bundesweit rund 3,7 Beschäftigten gewesen. "Und für 2013 ist kein Abbruch erkennbar", rechtfertigte Hofmann die Forderung. Eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent würde die Branche in Baden-Württemberg mit Unternehmen wie Daimler, Bosch oder Porsche rund 1,65 Milliarden Euro kosten.

Die Forderungsempfehlung will die Gewerkschaft nun in den Betrieben diskutieren, bevor Mitte März der Bundesvorstand der IG Metall eine bundesweite Tarifforderung beschließen und damit die Marschroute endgültig festlegen wird. In Baden-Württemberg waren in Tarifverhandlungen wiederholt Pilotabschlüsse mit den Metall-Arbeitgebern erzielt worden, die in anderen Bezirken übernommen wurden. Im vergangenen Jahr hatte die IG Metall mit den Arbeitgebern eine Lohnerhöhung um 4,3 Prozent vereinbart - den höchsten Zuwachs seit zwei Jahrzehnten. Dieses Plus hatte die Lohnkosten der Schlüsselbranche mit einem Umsatzvolumen von knapp einer Billion Euro um rund sieben Milliarden Euro erhöht. Gefordert hatte die Gewerkschaft eine Tariferhöhung um 6,5 Prozent.

In Baden-Württemberg starten die Tarifverhandlungen in diesem Jahr am 21. März und sollen am 19. April fortgesetzt werden. Die Friedenspflicht endet am 30. April, danach wären erste Warnstreiks möglich. "Ich erwarte am zweiten Verhandlungstermin ein Angebot der Arbeitgeber", sagte Hofmann. In den bereits laufenden Tarifverhandlungen für die Mitarbeiter der Bau-Branche fordert die Gewerkschaft IG BAU 6,6 Prozent mehr Lohn, für die Beschäftigten in öffentlichen Dienst verlangt die Gewerkschaft Verdi 6,5 Prozent mehr.

IG METALL: BINNENNACHFRAGE MIT TARIFERHÖHUNG STÄRKEN

"Wir können unsere Forderung selbstbewusst aufstellen", sagte IG-Metall Bezirkschef Hofmann. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages solle zwölf Monate betragen. Die Beschäftigten sollten eine "faire Beteiligung" an den Unternehmensgewinnen erhalten. Die Beschäftigungsentwicklung sei gut. Mit der Tariferhöhung des vergangenen Jahres sei die Kaufkraft gestärkt geworden, Deutschland habe damit in einem stürmischen Umfeld einen stabilen Kurs steuern können. Die Binnennachfrage müsse angekurbelt werden: Sich allein auf den Export zu verlassen, erscheine der Gewerkschaft nicht tragfähig.

Die Branchenentwicklung sei jedoch nicht einheitlich, räumte der Bezirkschef ein. In der Energiewirtschaft herrsche ein Investitionsstau, Unternehmen mit Abnehmern in den südeuropäischen Ländern hätten ebenfalls zu kämpfen und arbeiteten zum Teil kurz. Fast die Hälfte der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten plane derzeit jedoch Sonderschichten oder Mehrarbeit. Teile der Tarifkommission hätten sich zu minimalen Lohnzuwächsen bereiterklärt, andere Mitglieder des rund 200 Gewerkschafter umfassenden Gremiums hätten hingegen bis zu 8,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. Tarifpolitik könne sich aber weder am besten, noch am schlechtesten Unternehmen orientieren, sagte Hofmann.

ARBEITGEBER WEISEN FORDERUNG ALS ÜBERZOGEN ZURÜCK

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall wies die Forderungsempfehlung der IG Metall als zu hoch zurück. "Kaum Wachstum und 5,5 Prozent mehr Geld: Das passt nicht zusammen", sagte der Südwestmetall-Vorsitzende Stefan Wolf in Stuttgart. Die Forderung sei überzogen. Ein Drittel der Betriebe habe derzeit mit einer unterdurchschnittlichen Auftragslage zu kämpfen, weit mehr als ein Drittel der Unternehmen habe schon im vergangenen Jahr keine Gewinne mehr geschrieben. Der von der Gewerkschaft geforderte Konsumzuschlag sei Unfug. Viele Unternehmen hätten immer noch an der Tariferhöhung des Vorjahres um 4,3 Prozent zu knabbern, die bis in das laufende Jahr hineinwirke. Südwestmetall wolle eine möglichst lange Laufzeit des Tarifabschlusses und flexible Tariflösungen, die der unterschiedliche Geschäftslage der Unternehmen Rechnung trügen.

Am Ende vereinbarten Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie voraussichtlich eine Tariferhöhung zwischen zwei und drei Prozent, sagte Volkswirt Carsten Brzeski vom Bankhaus ING voraus. Die Überzeugung, dass die Beschäftigten von den Unternehmensgewinnen ihren Anteil bekommen sollten, wachse. Die Tariferhöhung in Deutschland führten in diesem Jahr voraussichtlich zu Reallohnzuwächsen, sagte der Volkswirt.

 
An IG Metall wall clock showing five minutes before twelve before the upcoming warning strike in Munich May 10, 2012. REUTERS/Michaela Rehle