EU-Bankenaufsicht bekämpft Wildwuchs in den Bilanzen

Dienstag, 26. Februar 2013, 17:22 Uhr
 

London (Reuters) - Die EU-Bankenaufsicht EBA will den Wildwuchs beim Umgang mit Risiken in den Bilanzen der Institute stoppen.

EBA-Chef Andrea Enria erklärte am Dienstag bei der Vorstellung einer Studie zu dem Thema, eine genauere Offenlegung der Bewertungsmethoden der Banken werde nicht ausreichen, um die Zweifel von Investoren und Analysten in die Zuverlässigkeit der Banken auszuräumen. "Die verbleibende Streuung ist signifikant und erfordert weitere Untersuchungen - und möglicherweise aufsichtliche Lösungen."

Bei der Studie unter 89 Banken in 16 Ländern Europas hatte sich nach vorläufigen Ergebnissen herausgestellt, dass die Institute gleichartige Risiken in den Bankbüchern oft völlig unterschiedlich bewerten. Allein unter den größten 20 Banken klaffen die Ergebnisse weit auseinander. Gemessen am Anteil der Risiken und Ausfälle im Bankbuch an der Bilanzsumme hat die EBA Differenzen von bis zu 46 Prozent ausgemacht. Das alarmiert die Aufseher, weil von den Bilanzrisiken (RWA) unter anderem ihr Eigenkapitalbedarf abhängt. Je weniger Risiken sie ausweisen, desto weniger Kapital brauchen sie, um sich gegen Ausfälle abzusichern.

Die Hälfte des Unterschieds lässt sich der Studie zufolge noch durch unterschiedliche Maßstäbe der Aufseher in einzelnen Ländern und die abweichenden Strukturen des Kreditbestandes der Banken erklären. Die andere Hälfte liegt an den teils riesigen Unterschieden in den Risikomodellen der Banken. Sie können für die Risikoberechnung entweder einen von den Aufsehern vorgegebenen Standardansatz verwenden oder - mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde - eigene Modelle entwickeln, die ihr Risiko vermeintlich besser widerspiegeln. Auch deutsche Geldhäuser wie die Deutsche Bank und die Aareal Bank hatten ihre Eigenkapitalquoten durch solche Modelle aufgebessert.

Doch Experten warnen, dass viele Banken hier zu weit gehen könnten und ihre Kreditrisiken künstlich kleinrechneten. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht war in einer Studie unter 16 Banken weltweit zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie die EBA. Der Generalsekretär des Ausschusses, Wayne Byres, äußerte am Dienstag in Südkorea Verständnis für den Unmut von Anlegern, die die Risikoberechnungen derzeit kaum durchschauen könnten. Neben einer Offenlegung der Bewertungsmethoden könne eine striktere Aufsicht helfen. Das sei zwar teuer, sagte Byres, "aber auch mangelndes Vertrauen in die Eigenkapitalausstattung von Banken ist kostspielig".

Nun will die EBA zunächst mit Banken und Aufsehern in den einzelnen Ländern sprechen, um aufzuklären, warum die Risiken so unterschiedlich bewertet werden. Nach Risiken im Kreditbuch will sie bis Ende des Jahres auch die Handelsbücher unter die Lupe nehmen.

 
A money suitcase (Geldkoffer) containing chocolate euro notes is pictured outside the headquarters of Germany's federal bank Deutsche Bundesbank in this picture illustration taken in Frankfurt February 4, 2013. REUTERS/Kai Pfaffenbach