EADS verdient dank Airbus prächtig - Risiko A350

Mittwoch, 27. Februar 2013, 12:19 Uhr
 

Berlin/München (Reuters) - Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS schraubt seine Dividende kräftig nach oben.

Weil der Überschuss dank florierender Geschäfte bei Airbus insgesamt um knapp ein Fünftel auf 1,23 Milliarden Euro stieg, wurde die Ausschüttung an die Aktionäre auf 60 Cent je Anteilsschein angehoben. Das entspricht einem Plus von 15 Cent pro Aktie. Finanzchef Harald Wilhelm sprach am Mittwoch in Berlin von einem "starken Signal". Auch künftig sollen die Eigentümer des Boeing-Rivalen mehr bedacht werden als in der Vergangenheit. Dafür ist auch ein größerer Aktienrückkauf vorgesehen. An der Börse kletterten EADS-Aktien um mehr als fünf Prozent auf 36,74 Euro und waren damit größter MDax-Gewinner.

"Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen", fügte EADS-Chef Tom Enders hinzu. 2013 müsse Fortschritte bringen, den deutsch-französischen Konzern, lange von den Regierungen in Paris und Berlin dominiert, profitabler zu machen. Allerdings gebe es Risiken: So könnte sich der Produktionsstart des Langstrecken-Airbus A350 verzögern. "Die Zeitplanung enthält keine weiteren Puffer." Die ersten Auslieferungen seien für die erste Jahreshälfte 2014 geplant. Je später noch Probleme aufträten, desto teurer würde es werden.

NEUER ANLAUF FÜR FUSION MIT BAE SYSTEMS?

Enders schloss einen neuen Anlauf für eine Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems nicht aus: "Der Deal ist an der politischen Komplexität gescheitert." EADS habe aber Zeit. "Wir sind nicht verzweifelt", sagte Enders. Außerdem sei der Einfluss der Politik nach den jüngsten Veränderungen im Eigentümerkreis jetzt geringer, was seit langem nötig gewesen sei. Momentan sei ein Zusammengehen mit BAE aber nicht auf dem Radar. Der letzte Versuch war im Herbst geplatzt. Zusammen wären die beiden Firmen auf einen Umsatz von rund 72 Milliarden Euro und weltweit gut 220.000 Beschäftigten gekommen - und hätten Branchenprimus Boeing viel besser Konkurrenz machen können.

Enders betonte, es gebe in Europa keine wirkliche Konsolidierung in der Rüstungsbranche. Die eigene Verteidigungssparte könnte zwar größer sein, sei aber profitabel. Es gebe keine Pläne, sich aus dem Feld zurückzuziehen. Während die Hubschrauber- und Raumfahrttöchter Eurocopter und Astrium 2012 operativ deutlich mehr verdienten, der Flugzeug-Hersteller Airbus sein Ergebnis sogar mehr als verdoppelte, gab es bei der Rüstungssparte Cassidian einen Gewinneinbruch. Hier spiegeln sich die Sparmaßnahmen vieler hoch verschuldeter Länder wider.

AUFTRAGSBÜCHER PRALL GEFÜLLT

Nach einem Umsatzplus von 15 Prozent auf 56,5 Milliarden Euro zeigte sich Enders auch für dieses Jahr optimistisch, vor allem dank der steigenden Nachfrage nach Airbus-Fliegern. Das operative Ergebnis (Ebit) soll vor Sondereffekten auf 3,5 Milliarden Euro von zuletzt drei Milliarden zulegen. Auch der Umsatz soll moderat steigen. "EADS ist weiter gut auf Kurs", urteilte DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald. Der Ausblick sei weniger zurückhaltend als sonst zu Jahresbeginn üblich.

EADS verfügt über prall gefüllte Auftragsbücher. Der Orderbestand betrug zuletzt 566,5 Milliarden Euro, im vergangenen Jahr sind Neubestellungen von 102,5 Milliarden dazu gekommen. Airbus will im laufenden Jahr seinen Auslieferungsrekord von 2012 übertrumpfen: Bis zu 610 Modelle sollen zu Kunden fliegen. Beim Militärtransporter A400M rechnet Enders nicht mit weiteren Verzögerungen. Dieses Jahr sollen vier Maschinen ausgeliefert werden.

EADS musste 2012 Sonderlasten von 820 Millionen Euro verkraften - unter anderem für die Reparatur der Flügel des Riesen-Jets A380, Nachverhandlungen bei Eurocopter zu einigen Regierungsaufträgen und dem Cassidian-Umbau. Aber auch Boeing kämpft mit Schwierigkeiten bei seinem 787 Dreamliner. Der Maschine wurde wegen leicht entflammbarer Batterien Flugverbot erteilt. Noch immer sind die Probleme nicht behoben. Es drohen hohe Schadenersatzklagen.

 
An A380 aircraft is seen through a window with an Airbus logo during the EADS / Airbus 'New Year Press Conference' in Hamburg January 17, 2012. REUTERS/Morris Mac Matzen (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS) - RTR2WETN