Italien muss nach Wahl deutlich höhere Zinsen zahlen

Mittwoch, 27. Februar 2013, 13:55 Uhr
 

Mailand (Reuters) - Italien muss die unklaren politischen Machtverhältnisse mit steigenden Zinskosten bezahlen.

Bei der ersten Versteigerung einer zehnjährigen Staatsanleihe nach der Wahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent - und damit auf den höchsten Wert seit Oktober 2012. Im Januar hatten Investoren nur 4,17 Prozent verlangt. Allerdings blieb der Zins unter der psychologisch wichtigen Marke von fünf Prozent. Auch waren die Papiere bei Investoren gefragter als erwartet. Das sorgte an den Börsen für Erleichterung. Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Italien, am Sparkurs festzuhalten.

Auch bei der Auktion eines fünfjährigen Bonds stieg der Zins spürbar: von 2,94 Prozent im Januar auf nun 3,59 Prozent, wie die Finanzagentur des Landes am Mittwoch mitteilte. Insgesamt nahm der Staat bei den beiden Versteigerungen mit 6,5 Milliarden Euro den zuvor anvisierten Höchstbetrag ein. Die Auktionen waren jeweils gut 1,6-fach überzeichnet. Der Euro kletterte daraufhin über die Marke von 1,31 Dollar, der Dax legte leicht zu.

SEHR SCHWIERIGE RAHMENBEDINGUNGEN

"Die Nachfrage war ganz ordentlich", sagte Analyst Nick Stamenkovic vom Wertpapierhändler RIA. "Allerdings verlangen die Investoren auch eine deutlich höhere Risikoprämie." UniCredit-Experte Luca Cazzulani sprach von einer guten Auktion - "gerade wenn man bedenkt, in was für einem angespannten Umfeld sie stattgefunden hat". Bei der Wahl hat keiner der politischen Blöcke eine eigene Mehrheit errungen. Nun wird eine neuerliche Eskalation der Schuldenkrise befürchtet, weil die angedachten Reformen blockiert werden könnten.

Um die Krise nicht wieder anzufachen, warnen Notenbanker und Politiker vor einer Rolle rückwärts. "Wir rufen die Regierungen in der Euro-Zone auf, die Bemühungen um die noch nötigen Reformen aufrechtzuerhalten", sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble forderte im ZDF die Politiker in Italien auf, für Stabilität zu sorgen. "Es liegt nun an den politisch Verantwortlichen in Italien, aus diesem Wahlergebnis das zu machen, was das Land braucht - nämlich eine stabile Regierung, die den erfolgreichen Kurs der Reformen fortsetzt."

DROHUNG VON MOODY'S

Die italienische Linke war zwar als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangen. Sie errang die meisten Stimmen im Abgeordnetenhaus. In der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, fehlt ihr aber eine Mehrheit. Zur Regierungsbildung wäre sie auf eine Koalition angewiesen. Der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi, den die Märkte und viele Politiker in Europa für die wirtschaftliche Misere des Landes verantwortlich machen, könnte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Wegen der instabilen Lage droht dem Land nun auch eine Herabstufung durch die Rating-Agentur Moody's. Der Wahlausgang wirke sich negativ auf die Kreditwürdigkeit aus, weil Neuwahlen und damit eine noch längere Phase der politischen Instabilität im Raum stünden. Moody's bewertet Italien seit Juli 2012 mit "Baa2". Diese Note steht nur für eine durchschnittliche Kreditwürdigkeit. Zudem ist der Ausblick "negativ", was auf eine weitere Herabstufung hindeutet.

Allerdings gibt es auch erste Signale für eine leichte Besserung der Konjunktur. Die Stimmung in den Chefetagen der italienischen Unternehmen verbesserte hat sich im Februar überraschend. Der Geschäftsklima-Index stieg um 0,2 auf 88,5 Punkte, wie das Statistikamt mitteilte. Die Firmen berichteten von einer etwas besseren Auftragslage und schätzten die Aussichten für die Produktion günstiger ein. Die Umfrage fand in der ersten Monatshälfte und damit vor der Parlamentswahl statt.

 
Electoral posters are seen in Rome February 26, 2013. The Italian stock market fell and state borrowing costs rose on Tuesday as investors took fright at political deadlock after a stunning election that saw a protest party lead the poll and no group had a clear majority in parliament. REUTERS/Max Rossi (ITALY - Tags: POLITICS ELECTIONS) - RTR3EAZ4