Aussicht auf Lohnzuwächse hebt Stimmung der Verbraucher

Mittwoch, 27. Februar 2013, 14:36 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Steigende Einkommen und die gute Lage am Arbeitsmarkt heben die Stimmung der Verbraucher.

Der Konsumklima-Index der Nürnberger GfK für März stieg um 0,1 auf 5,9 Punkte, den höchsten Stand seit November 2012. Das ist das vorläufige Ergebnis der GfK-Umfrage unter 2000 Verbrauchern, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Konsumenten gingen davon aus, dass die Wirtschaft in den kommenden Monaten anziehen werde, konstatierten die Experten. Die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung rechnen schon für das erste Quartal wieder mit Wachstum. "Die deutsche Wirtschaft steht weiterhin sehr gut da und dürfte sich schnell wieder beleben", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Ein Unsicherheitsfaktor bleibe die Schuldenkrise in Europa, die sich nach der Protestwahl in Italien wieder verschärfen könnte. "Negative Auswirkungen auf die Verbraucherstimmung sind nicht ausgeschlossen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Auswirkungen könnten sich im April zeigen. Dekabank-Experte Andreas Scheuerle rechnet nicht mit einem starken Dämpfer: "Der Supermarkt liegt näher als Italien", sagte er.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte nach Berechnungen des DIW zum Jahresauftakt um 0,3 Prozent zulegen, nach einem Rückgang um 0,6 Prozent zum Jahresende 2012. Zunehmend dürfte sich dabei der private Verbrauch zum Wachstumstreiber entwickeln. Die GfK erwartet einen Anstieg des Konsums in diesem Jahr um ein Prozent, die Wirtschaftsleistung insgesamt dürfte mit 0,8 Prozent weniger stark zulegen.

Auch in der Euro-Zone zeichnet sich ein Ende der Rezession ab. Die Wirtschaftsstimmung verbesserte sich im Februar den vierten Monat in Folge. In den Chefetagen der deutschen Unternehmen hellte sich die Stimmung zuletzt ebenfalls auf, der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar den vierten Monat in Folge und erreichte den höchsten Stand seit zehn Monaten.

NIEDRIGE BANKZINSEN BEGÜNSTIGEN KONSUM

Für Optimismus unter den Verbrauchern sorge die vergleichsweise gute Lage am Arbeitsmarkt, sagte GfK-Experte Bürkl. Die Arbeitslosigkeit ist zwar derzeit so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr, dabei spielen aber vor allem saisonale Effekte eine Rolle. Von Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass im Februar ungefähr 3,2 Millionen Menschen ohne festen Job waren, nach 3,138 Millionen im Januar. Allerdings habe sich in den Januar-Zahlen der kalte Winter nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit noch nicht widergespiegelt, das dürfte im Februar nachgeholt werden.

Die Verbraucher können sich zudem auf steigende Einkommen einstellen. So fordert die IG Metall 5,5 Prozent mehr Lohn, andere Gewerkschaften wollen sogar noch höhere Abschlüsse. Die Lebenshaltungskosten steigen dagegen nur langsam. Die Inflation dürfte Experten zufolge im Februar bei 1,7 Prozent liegen. Dank günstiger Energie verbilligten sich die Importe zuletzt erstmals seit 2009.

Beflügelt werde der private Konsum auch von den niedrigen Bankzinsen, sagte Bürkl. Weil die Verbraucher nach wie vor skeptisch seien, was die Stabilität des Euro angeht, investierten sie ihr Geld tendenziell eher in werthaltige Anschaffungen als es gegen historisch niedrige Zinsen auf die Bank zu legen. Die Sparquote sank zum Jahresende 2012 auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren.