RWE-Manager Birnbaum wechselt zum Konkurrenten E.ON

Mittwoch, 27. Februar 2013, 17:53 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die durch die Atomwende unter Druck geratenen Energieriesen E.ON und RWE stellen ihr Top-Management neu auf.

RWE-Vorstand Leonhard Birnbaum wechselt zum Konkurrenten E.ON, wie Reuters am Mittwoch von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr. Er trete dort die Nachfolge des für Technologie und Großprojekte zuständigen Klaus-Dieter Maubach an, über dessen Abgang schon länger spekuliert worden war. Auch die im Arbeitnehmerlager umstrittene E.ON-Personalchefin Regine Stachelhaus gibt ihren Posten ab. Die 57-Jährige war 2010 von Konzernchef Johannes Teyssen engagiert worden und ist eine der wenigen Frauen im Vorstand eines Dax-Konzerns. RWE bestätigte, dass Birnbaum ausscheidet. Zudem kündigte der Versorger an, für 2012 eine unveränderte Dividende zu zahlen.

Birnbaum habe auf ein Angebot zur Vertragsverlängerung verzichtet, erklärte RWE. Er scheide Ende September aus. Der Konzern will den Posten nicht neu besetzen. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag von Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz, Teriums Stellvertreter, um fünf Jahre bis 2019. Den Posten des Finanzchefs und des Personalvorstands hat RWE bereits neu besetzt. Auch im Kontrollgremium wird rotiert: In den Aufsichtsrat zieht zudem unter anderem der frühere Hochtief-Chef und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, ein.

RWE legt am 5. März seine Zahlen für 2012 vor. Die Dividende von zwei Euro je Aktie entspreche einer Ausschüttungsquote von 50 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses, erklärte der Konzern. Er hatte angekündigt, dieses Ergebnis 2012 auf der Höhe der im Vorjahr erzielten 2,479 Milliarden Euro zu halten.

STÜHLERÜCKEN IM VORSTAND - NICHT DER ERSTE SEITENWECHSEL

Der Wechsel eines Top-Managers wie Birnbaum von RWE zu E.ON ist kein Einzelfall. Der frühere RWE-Finanzchef Rolf Pohlig hatte die andere Richtung eingeschlagen und kam von E.ON. Der Karlsruher Versorger EnBW hat seinen neuen Chef, Frank Mastiaux, ebnfalls bei den Düsseldorfern abgeworben. Birnbaum verspricht sich nun offenbar bei E.ON bessere Karrierechancen als zuletzt bei RWE. Der 46-Jährige frühere McKinsey-Manager galt einige Zeit lang als ein Kronprinz des ehemaligen RWE-Chefs Jürgen Großmann. Dessen Nachfolger wurde im vergangenen Jahr allerdings der Niederländer Terium. Bei E.ON könnte Birnbaum wieder als Stratege mehr Spielraum erhalten. Der Versorger will sein Wachstum auch außerhalb Europas vorantreiben, während für RWE Deutschland und Europa die Kernmärkte bleiben. E.ON bestätigte den Wechsel nicht.

Bei dem Unternehmen scheidet Personalchefin Regine Stachelhaus Mitte des Jahres aus. "Grund dafür ist eine schwere Erkrankung im engsten Familienkreis. Ich möchte mir in dieser besonderen Situation mehr Zeit für meine Familie nehmen", begründete sie den Schritt in einer Mitteilung. Die frühere Managerin des Computerkonzerns Hewlett-Packard und Geschäftsführerin von Unicef Deutschland war mit großen Erwartungen engagiert worden. Im Arbeitnehmerlager hatte sie spätestens im Zuge von Teyssens Jobabbau viel Kredit verloren. Vertreter der Gewerkschaften und des Betriebsrats warfen ihr mangelnde Kommunikation vor. Die Arbeitnehmervertreter waren von Teyssens Ankündigung, weltweit bis zu 11.000 Stellen abzubauen, völlig überrascht worden. Monatelang gingen sie auf die Barrikaden, ehe sie sich mit dem Management auf eine sozialverträgliche Lösung einigten.

ATOMWENDE VOR GERICHT

Die Energieriesen kämpfen nach der Atomwende mit Einbußen und müssen ihre Strategie neu ordnen. Sie haben mit den Atomkraftwerken wichtige Gewinnbringer verloren. RWE erzielte am Mittwoch zumindest einen Teilerfolg. In einem Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichts wurde die 2011 für drei Monate angeordnete Stilllegung des AKW Biblis für rechtswidrig erklärt. RWE sei nicht ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden. Der Konzern könnte nun versuchen, für diese Zeit Schadenersatz geltend mache. Schadenersatz für die endgültige Stilllegung der Meiler kann der Versorger aber wie die Konkurrenten E.ON und Vattenfall erst im Fall eines Sieges vor dem Bundesverfassungsgerichts einklagen.

"Da der Hessische Verwaltungsgerichtshof gegen diese Entscheidung keine Revision zugelassen hat, wird die Landesregierung nach Zustellung der schriftlichen Gründe prüfen, ob Nichtzulassungsbeschwerde einlegt wird", erklärte die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich. "Die Atom-Aufsichtsbehörde ist nach wie vor der Überzeugung, rechtmäßig gehandelt zu haben, weil ein Moratorium aus Vorsorge für die Sicherheit der Bevölkerung beschlossen worden war", erklärte die CDU-Politikerin.

- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

 
Members of the board Ulrich Jobs, Leonhard Birnbaum, Juergen Grossmann, CEO of German multi-utility RWE and Rolf Pohlig (L-R) pose before the annual news conference in Essen February 26, 2009. REUTERS/Ina Fassbender