Steinbrück löst mit "Clown"-Bemerkung Eklat aus

Mittwoch, 27. Februar 2013, 18:38 Uhr
 

Berlin (Reuters) - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat mit seiner "Clown"-Äußerung über den Ausgang der Wahlen in Italien einen diplomatischen Eklat ausgelöst.

Italiens Präsident Giorgio Napolitano sagte am Mittwoch kurzfristig ein für den Abend in Berlin geplantes Abendessen mit Steinbrück im Hotel Adlon ab. Er begründete dies nach Angaben von Steinbrücks Sprecher mit den Äußerungen des Kanzlerkandidaten vom Dienstagabend. Darin hatte Steinbrück den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und den Protestpolitiker Beppe Grillo als Clowns verspottet. Politiker von Union und FDP warfen Steinbrück vor, er habe Italien beleidigt und schade dem Ansehen Deutschlands.

Steinbrück selbst zeigte sich um Schadensbegrenzung bemüht. Als Staatspräsident in einer neutralen Rolle dürfe Napolitano nicht in die Nähe eines Begriffes gebracht werden, den er nicht zu vertreten habe, sagte Steinbrück in Potsdam bei einem Pressetermin. "Das kann ich sehr gut verstehen, dass er sagt, vor dem Hintergrund muss ich in meiner Neutralität als Staatspräsident Abstand wahren", sagte der Kanzlerkandidat. "Insofern habe ich Verständnis für die Absage." Am Nachmittag gab es auf Steinbrücks Initiative ein Telefonat mit Napolitano. Sie hätten ein "freundliches und klärendes Gespräch gehabt", sagte Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer.

"CLOWN MIT BESONDEREM TESTOSTERON-SCHUB"

"Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", hatte Steinbrück am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung über den Ausgang der Parlamentswahlen in Italien gesagt. Einer davon sei der Berufskomiker Grillo, der andere "definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub". Er fügte hinzu: "Mein Eindruck ist, dass in Italien zwei Populisten gewonnen haben." In dieser Lage werde das wieder zu größeren Problemen in der Euro-Zone beitragen. Die Linke um Pier Luigi Bersani hatte in Italien zwar die Abgeordnetenhauswahl gewonnen. Berlusconi und Grillo schnitten aber überraschend stark ab. Im Senat konnte keiner der politischen Blöcke eine klare Mehrheit gewinnen.

Im Rahmen seines Deutschlandbesuchs hatte Napolitano für Mittwochabend ein Abendessen mit Steinbrück vereinbart, bevor er am Donnerstag Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft. Bei einer Rede am Nachmittag in München ging Napolitano nur beiläufig darauf ein: Er sage nur, dass Italien Andere respektiere und natürlich auch Respekt für das eigene Land verlange.

Für Steinbrück ist die Erfahrung negativer Reaktionen aus dem Ausland nicht neu. Im Steuerstreit mit der Schweiz drohte er den Nachbarn 2009 - damals noch im Amt des Bundesfinanzministers - mit der Kavallerie. In der Innenpolitik hatte ihm das nicht geschadet. Auch bei der Veranstaltung in Potsdam spielte Steinbrück darauf an. Man müsse reiche Griechen daran hindern, dass sie ihr Geld in Steueroasen brächten, sagte Steinbrück: "Zum Beispiel die Schweiz. Da bin ich Experte. Auch weil ich in meinem Leben zu viele Westernfilme gesehen habe." Das Publikum, ausgewählte Vertreter von Verbänden und Vereinen aus Potsdam, nahm dies ebenso wie die Clown-Bemerkung mit Heiterkeit auf.

SCHWARZ-GELB ATTACKIERT STEINBRÜCK

Unions-Vizefraktionschef Andreas Schockenhoff forderte indes, Steinbrück müsse "sich in aller Öffentlichkeit für seine Entgleisung bei den Italienern entschuldigen". Der Vizevorsitzende der deutsch-italienischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Manfred Kolbe (CDU), kritisierte, es gebe in Deutschland "eine regelrechte 'Berlusconi-Phobie'". Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Steinbrück hat wie ein preußischer Rittmeister schwadroniert und nicht wie jemand, der in Deutschland Kanzler werden will." Der FDP-Politiker Volker Wissing erklärte per Twitter: "Steinbrück ist eher ein außenpolitisches Sicherheitsrisiko als ein Kanzlerkandidat."

Aus der eigenen Partei erhielt Steinbrück dagegen Zuspruch. SPD-Fraktionsvizechef Axel Schäfer sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Das, was Berlusconi über Jahre betrieben hat, steht für die Zerstörung jeglicher politischen Kultur. Mit dem Wort Clown ist er damit meines Erachtens noch gut bedient."

- von Holger Hansen

 
Former Prime Minister Silvio Berlusconi grimaces before casting his vote at a polling station in Milan February 24, 2013. REUTERS/Stefano Rellandini