Telekom fährt 2012 Milliardenverlust ein

Donnerstag, 28. Februar 2013, 10:25 Uhr
 

Bonn (Reuters) - Mega-Verlust bei der Telekom: Milliardenschwere Abschreibungen auf die Krisentochter T-Mobile USA haben dem Bonner Konzern 2012 die ersten roten Jahreszahlen seit zehn Jahren beschert.

Für das abgelaufene Jahr stehe unter dem Strich ein Fehlbetrag von 5,3 Milliarden Euro, teilte die Telekom am Donnerstag mit. Vor einem Jahr hatte sie noch einen Überschuss von 557 Millionen Euro eingefahren.

Das Riesen-Minus resultiert aus der geplanten Fusion der amerikanischen Tochtergesellschaft mit dem Rivalen MetroPCS, die vergangenen Oktober bekanntgegeben wurde. In dem Deal wird T-Mobile USA nicht mehr so hoch bewertet wie beim Einstieg der Telekom, deshalb müssen 7,4 Milliarden Euro auf den Wert des Tochter-Unternehmens abgeschrieben werden. Die Sonderbelastung hatte der Telekom bereits die Zwischenbilanz des dritten Quartals verhagelt.

Der Konzern will trotz der tiefroten Zahlen weiter investieren. "Der Milliarden-Fehlbetrag ist nicht das, was er im Namen trägt: Uns fehlen keine Mittel, um die Entwicklung des Konzerns voranzutreiben", sagte Vorstandschef Rene Obermann. Es sind die letzten Jahreszahlen, die der 49-jährige vorstellt. Obermann leitet den Ex-Staatskonzern seit gut sechs Jahren und will Ende des Jahres aufhören - Finanzchef Tim Höttges übernimmt. Obermann, der mit TV-Moderatorin Maybrit Illner verheiratet ist, hat sich vorgenommen, ein kleineres Unternehmen zu leiten - er hat seine Karriere als Unternehmer begonnen. Nächster wichtiger Termin ist für ihn der 5. März - an dem Tag wird der Topmanager 50 Jahre alt.

HISTORISCHER VERLUST

Es sind der erste roten Jahreszahlen des ehemaligen Staatmonopolisten seit zehn Jahren: 2002 verbuchte die Telekom einen Verlust von 24,6 Milliarden Euro. Es war der größte Fehlbetrag, den ein deutsches Unternehmen bis dahin eingefahren hatte. Schuld waren auch damals Abschreibungen von insgesamt knapp 20 Milliarden Euro, die vor allem auf T-Mobile USA und Mobilfunklizenzen in Großbritannien entfielen. Die Telekom hatte zuvor die Börsen-Euphorie der Jahrtausendwende für eine große Einkaufstour genutzt, unterstützt vom Höhenflug der eigenen Aktien, die häufig als Akquisitionswährung dienten. Die Aufräumarbeiten danach dauerten Jahre.

Der Vorstand des 230.000 Mitarbeiter starken Konzerns will trotz des Milliardenverlusts für 2012 wie geplant eine Dividende ausschütten von 70 Cent je Titel. Das freut vor allem den Bund, der gut 30 Prozent der Aktien hält. Für dieses Jahr wird die Ausschüttung wie bekannt auf 50 Cent je Aktie gekappt. Zu ihrer im Dezember gegebenen Geschäftsprognose für 2013 steht die Telekom: Bei einem Free Cash Flow von fünf Milliarden Euro soll das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) 17,4 Milliarden Euro erreichen. 2012 lag die Kennzahl bei 18 Milliarden Euro - ein Minus von vier Prozent.

Das lag vor allem am Deutschlandgeschäft: Hier hat den Telekom kein Rezept gegen den harten Preiswettbewerb im Mobilfunk und die Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland gefunden, die dem Konzern Telefon- und Internet-Kunden abjagen. Der Betriebsgewinn sank 2012 auf dem Heimatmarkt um vier Prozent auf 9,2 Milliarden Euro, während der Umsatz um zwei Prozent auf 22,7 Milliarden Euro fiel.

METRO-AKTIONÄRE STIMMEN AB

Die Fusion mit dem fünftgrößten US-Mobilfunkanbieter MetroPCS ist noch nicht in trockenen Tüchern: Erst muss noch mehr als die Hälfte der Metro-Aktionäre zustimmen. Das Votum findet Ende März statt und wird spannend, da MetroPCS-Investoren die Konditionen des Schulterschlusses kritisieren. Das solche Deals auch floppen können, hat die Telekom schmerzhaft 2011 erfahren: Eigentlich wollten die Bonner T-Mobile USA damals für 39 Milliarden Dollar an den Telekomriesen AT&T verkaufen. Die US-Wettbewerbsbehörden stoppten die Transaktion.

Die Mobilfunk-Fusion in den USA ist keine Liebeshochzeit, sondern eine Vernunftehe. Obermann will dem Markt-Vierten T-Mobile USA endlich eine kritische Größe verleihen und längerfristig den Weg für einen Ausstieg ebnen. Den Erfolg sollen zudem ein neuer US-Chef und das iPhone bringen - noch in diesem Jahr nimmt der Telekom-Ableger als letzter der großen Anbieter den Apple-Bestseller ins Programm. Weiter nicht im Griff hat T-Mobile USA den Exodus lukrativer Vertragskunden: 2012 wechselten gut zwei Millionen von ihnen zu anderen Anbietern. Da aber mehr Prepaid-Kunden angelockt werden konnten, blieb die Zahl der Handynutzer des amerikanischen Telekom-Ablegers erstmals seit 2009 stabil - Ende des Jahres waren es 33,4 Millionen.

 
The logo of Deutsche Telekom AG is pictured at their headquarters, in this file photo taken in Bonn December 5, 2012. (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS) - RTR3EDQP