Allianz Deutschland ist mit Umbau noch nicht fertig

Donnerstag, 28. Februar 2013, 14:11 Uhr
 

Unterföhring (Reuters) - Der Versicherungsriese Allianz ist mit dem Umbau seines Deutschland-Geschäfts trotz steigender Gewinne noch nicht am Ende.

"Ich rechne mit einer operativ fortgesetzt verbesserten Entwicklung in den nächsten Jahren", sagte der Chef von Allianz Deutschland, Markus Rieß, am Donnerstag in Unterföhring bei München. In der Autoversicherung, lange Jahre das Sorgenkind, schreibt die Allianz aber operativ weiter Verluste, in der Lebensversicherung soll vom Sommer an eine neue Produkt-Generation mit höheren Renditen Kunden locken.

Im operativen Geschäft schnellte der Gewinn 2012 um 47 Prozent auf 2,11 Milliarden Euro nach oben. Für dieses Jahr rechnet Rieß mit einem leicht sinkenden Gewinn, weil die Kapitalanlagen weniger abwerfen und die Schließung der defizitären Allianz Bank mit 450 Mitarbeitern 70 Millionen Euro kostet.

Vor allem im lange Jahre schwächelnden Geschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen ist die Allianz Deutschland 2012 voran gekommen. Dort hat sich der Gewinn - auch dank ausgebliebener Wetterkatastrophen - beinahe verdoppelt, die Beitragseinnahmen stiegen um zwei Prozent - so stark wie seit 2004 nicht. "Die vor zwei Jahren eingeleitete Trendwende in der Sachversicherung konnte fortgesetzt werden - auch wenn wir dabei noch nicht am Ziel sind", sagte Rieß. Gemessen an der Schaden-Kosten-Quote von 96,8 Prozent verdient das Unternehmen dort operativ wieder Geld.

WENIGER MARKTANTEIL - MEHR GEWINN

In der Auto-Versicherung habe sich die Schaden-Kosten-Quote verbessert, liege aber noch deutlich über 100 Prozent. "Wir werden das Kraftfahrt-Geschäft weiter nach der Profitabilität steuern", sagte Rieß - auch auf Kosten sinkender Marktanteile. Nach dem Prämienvolumen sieht sich Allianz Deutschland in der Sparte als Nummer eins, nach der Kundenzahl hat HUK-Coburg die Nase vorn.

Der Umsatz von Allianz Deutschland sank 2012 um 0,9 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, das Neugeschäft schmolz auf 8,0 von 8,7 Milliarden Euro. Das lag vor allem daran, dass der Versicherer das voluminöse Geschäft mit Einmalbeiträgen - kurzfristigen Lebensversicherungen, die als Geldanlage verkauft werden - um elf Prozent drosselte, indem er die Zinsen drastisch senkte. In der Sachversicherung wuchs das Neugeschäft um 2,7 Prozent und damit weniger stark als der Markt. In der privaten Krankenversicherung sorgte die Einführung von Unisex-Tarifen für einen Schub in der Pflege-Absicherung. Für das laufende Jahr rechnet Rieß mit einem stagnierenden Umsatz im Deutschland-Geschäft.

Profitiert hat Allianz Deutschland im vergangenen Jahr von der Umschichtung ihrer Kapitalanlagen auf noch länger laufende Papiere. Das ließ das Kapitalanlageergebnis auf 11,3 (2011: 9,1) Milliarden Euro schnellen. Allein 6,7 Milliarden Euro stecken in italienischen Staatsanleihen.

Bei Neuanlagen erwirtschafte die Allianz Leben immer noch 3,7 Prozent Rendite, beschwichtigte Rieß. Doch die Verzinsung für die Versicherten sinkt, weil die langfristigen Garantien Rendite kosten. Als einer der ersten deutschen Lebensversicherer steuert die Allianz gegen: Sie will ab Juli Renten-Policen mit flexibleren Garantien anbieten und den Versicherten dafür mehr Rendite in Aussicht stellen. "Der Aufschlag wird signifikant sein", sagte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber. "Wir werden einen signifikanten Anteil des Neugeschäfts in diesen neuen Produkten sehen." Die klassischen Produkte werde es aber weiter geben.