US-Tochter brockt Telekom Milliardenverlust ein

Donnerstag, 28. Februar 2013, 16:26 Uhr
 

Bonn (Reuters) - Mega-Verlust bei der Telekom: Milliardenschwere Abschreibungen auf die Krisentochter T-Mobile USA haben dem Bonner Telekomriese 2012 die ersten roten Jahreszahlen seit zehn Jahren eingebrockt.

Unter dem Strich stand ein Verlust von 5,3 Milliarden Euro, nachdem 2011 noch ein Gewinn von 557 Millionen Euro eingefahren worden war. Dennoch sieht Vorstandschef Rene Obermann die Deutsche Telekom in ihrer Handlungsfähigkeit nicht eingeschränkt. "Der Milliarden-Fehlbetrag ist nicht das, was er im Namen trägt: Uns fehlen keine Mittel, um die Entwicklung des Konzerns voranzutreiben", versicherte Obermann am Donnerstag. So sollen die Netze auf dem Heimatmarkt und in den USA aufgerüstet werden. Dafür würden zehn Milliarden Euro in die Hand genommen.

Auch im operativen Geschäft bekam die Telekom Gegenwind: Wie die Mitbewerber litt auch der Bonner Konzern verstärkt unter der Popularität von kostenlosen Handyprogrammen wie Skype oder What's App und den Preissenkungen durch die Regulierungsbehörde. "2012 war für unsere Industrie ein weiteres knallhartes Jahr", sagte Obermann. Es sind die letzten Jahreszahlen, die der 49-jährige vorstellt. Obermann leitet den Ex-Staatskonzern seit gut sechs Jahren und will Ende des Jahres aufhören - Finanzchef Tim Höttges übernimmt.

An seinem Dividendenversprechen rüttelt der Vorstand des 230.000 Mitarbeiter starken Konzerns trotz des hohen Verlusts nicht: Wie geplant sollen die Aktionäre für 2012 70 Cent je Aktie erhalten. Das freut vor allem den Bund, der gut 30 Prozent der Anteile hält. Für dieses Jahr wird die Dividende wie bekannt auf 50 Cent je Aktie gekappt.

Der Milliarden-Verlust 2012 resultiert aus der geplanten Fusion von T-Mobile USA mit dem Rivalen MetroPCS, die vergangenen Oktober bekanntgegeben wurde. In dem Deal wird die US-Tochter nicht mehr so hoch bewertet wie beim Einstieg der Telekom, deshalb müssen 7,4 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Allein ist die Telekom damit nicht: Abschreibungen auf Beteiligungen in den Euro-Krisenstaaten Italien und Irland haben dem spanischen Telefonriesen Telefonica einen Gewinneinbruch eingebrockt.

ALS FÜR RON DER SOMMER ZU ENDE WAR

Der Verlust kommt dennoch nicht an den Fehlbetrag von vor zehn Jahren heran. 2002 verbuchte die Telekom ein Minus von 24,6 Milliarden Euro. Es war der größte Verlust, den ein deutsches Unternehmen bis dahin angehäuft hatte. Schuld waren auch damals Abschreibungen von insgesamt knapp 20 Milliarden Euro, die vor allem auf T-Mobile USA und Mobilfunklizenzen in Großbritannien entfielen. Die Telekom hatte zuvor die Börsen-Euphorie der Jahrtausendwende für eine große Einkaufstour genutzt. Teuerster Coup war die Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream vor zwölf Jahren. Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer machte für den T-Mobile-Vorgänger 40 Milliarden Euro locker. 2002 musste der schillernde Manager, der den Ex-Telefon-Monopolisten 1996 an die Börse bracht, seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger Kai-Uwe Ricke war jahrelang mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

KONZERN-CHEFS IN HANDSCHELLEN

Dünnhäutig wurde Obermann beim Thema Regulierung. Die ständigen Preisschnitte führten dazu, dass die Umsätze von vielen Telekom-Konzernen in Europa stark unter Druck stünden. Die Stimmung unter den CEOs der Branche sei mies, wie sich jüngst auf dem "Mobile World Congress" gezeigt habe. "Die Kollegen haben alle das Gefühl, dass sie mit Handschellen im Boxring stehen", sagte Obermann. Eine Senkungen der Mobilfunkgebühren durch die Netzagentur hinterließ auch bei der Telekom im einst verlässlichen Deutschland-Geschäft tiefe Spuren. Der Betriebsgewinn sackte im Jahresendquartal um zehn Prozent ab. Doch gibt es auch noch einen anderen Grund für den Gewinn-Knick, wie Finanzchef Tim Höttges betonte. Handy-Programme wie What's App sorgten dafür, dass die Nutzer weniger SMS schrieben, sagte er. An den Kurznachrichten verdiente die Telekom bislang gut. Den gleichen Trend beobachteten zuvor schon Rivalen. Dennoch halten die Bonner an ihrer Prognose fest: 2012 wird ein bereinigtes Betriebsergebnis von 17,4 Milliarden Euro erwartet. 2012 waren es 18 Milliarden Euro - ein Minus von vier Prozent.

METRO-AKTIONÄRE STIMMEN AB

Spannend bleibt es für die Telekom auch auf der anderen Seite des Atlantiks. Die geplante Fusion von T-Mobile USA mit MetroPCS ist noch nicht in trockenen Tüchern: Erst muss noch mehr als die Hälfte der Metro-Aktionäre zustimmen. Das Votum findet Ende März statt und wird spannend, da MetroPCS-Investoren die Konditionen des Schulterschlusses kritisieren. Das solche Deals auch floppen können, hat die Telekom schmerzhaft 2011 erfahren: Eigentlich wollten die Bonner T-Mobile USA damals für 39 Milliarden Dollar an den Telekomriesen AT&T verkaufen. Die US-Wettbewerbsbehörden stoppten die Transaktion.

 
The headquarters of Deutsche Telekom AG in is pictured in this file photo taken in Bonn December 5, 2012. Deutsche Telekom's operating profit dropped 13 percent in the fourth quarter as the company faced head-winds in its German mobile market and the rest of Europe. REUTERS/Ina Fassbender/Files (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS)