Europa setzt weltweit engste Schranken für Banker-Boni

Donnerstag, 28. Februar 2013, 16:40 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Europa setzt als einzige Region der Welt den umstrittenen Millionen-Boni für Banker enge Grenzen.

Das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten beschlossen in der Nacht zu Donnerstag nach monatelangem Streit, dass ab nächstem Jahr die variable Vergütung das Fixgehalt generell nicht mehr übersteigen darf. Mit Zustimmung der Aktionäre kann der Bonus zwei Mal so hoch sein. "Zum ersten Mal in der Geschichte der europäischen Banken-Regulierung wird es eine Begrenzung der Bonuszahlungen an Bank-Manager geben", sagte Othmar Karas, der Verhandlungsführer des Parlaments in Brüssel.

Die Regelung ist Teil eines umfangreichen Gesetzespakets für höhere Kapitalanforderungen für Banken, kurz Basel III genannt. Sie waren auf internationaler Ebene ausgehandelt worden und sind die wichtigste Konsequenz aus der Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Mit der besseren Absicherung gegen Risiken soll verhindert werden, dass die Steuerzahler Banken erneut mit Milliarden vor der Pleite retten müssen, um nicht die gesamte Wirtschaft zu gefährden. In deutschen Regierungskreisen war von einem großen Schritt nach vorne die Rede. Die Regeln sollten noch vor der Bundestagswahl im September in nationales Recht umgesetzt werden. Der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann sprach von einer Revolution. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß geht das Gesetz aber nicht weit genug.

"VERNICHTENDER SCHLAG FÜR LONDON"

Die Bonus-Grenze hat das Parlament gegen monatelangen Widerstand der Mitgliedstaaten durchgesetzt - dazu waren 34 Verhandlungsrunden unter drei EU-Ratspräsidentschaften nötig. Vor allem Großbritannien, wo der Finanzsektor ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sperrte sich gegen den Eingriff in die Vergütungspolitik. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson sprach von einer Entscheidung pro Singapur, Zürich und New York. "Brüssel kann den weltweiten Markt für Banker-Talente nicht kontrollieren, Brüssel kann nicht die Boni weltweit festsetzen." Die britische Regierung forderte, den Banken zu ermöglichen, Personal außerhalb Europas anzustellen, um die Bonusgrenze umgehen zu können. Doch die Vorschriften gälten für die rund 8200 europäischen Banken überall sowie für die Auslandsbanken in Europa, betonte Verhandlungsführer Karas.

Auch in der Finanzbranche stießen die Vorgaben naturgemäß auf Unverständnis. Der Verband der privaten Banken in Deutschland sprach von einer "unangemessenen Bevormundung der Eigentümer". Der Alleingang Europas benachteilige die hiesigen Banken, sagte der Chef einer Großbank, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Das ist ein vernichtender Schlag für London. Kein Finanzzentrum außerhalb Europas wird ähnliche Grenzen setzen." Nach einem Höchststand von 11,5 Milliarden Pfund vor Ausbruch der Krise sind die Bonus-Zahlungen in London auf 4,4 Milliarden Pfund im vergangenen Jahr gesunken, wie das Centre for Economics and Business Research ermittelte.

In Österreich wurde ähnlich argumentiert: "Es gibt viele Banken in Europa, die im Gegensatz zu uns mit amerikanischen und asiatischen Instituten im Handelsgeschäft konkurrenzfähig sein müssen. Für die wird das sehr schwer sein", sagte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl. "Da werden zahlreiche der hoch bezahlten Leute im Investmentbanking europäische Institute verlassen."

Der Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen, die vor allem im Privatkundengeschäft stark sind und nicht im Investmentbanking, begrüßten dagegen die neuen Vorschriften. "Boni-Exzesse sind im Jahr sechs der Krise unserer Gesellschaft nicht mehr vermittelbar", sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Banken müssten sich wieder darauf konzentrieren, Unternehmen und Konsumenten mit Darlehen zu helfen. Ähnlich äußerte sich EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier: Banken und Hedge-Fonds seien Teil der Gesellschaft und sollten beachten, was die Bürger denken. "Die Zeit für ein bisschen Bescheidenheit ist gekommen."

ZOCKERMENTALITÄT SOLL BEGRENZT WERDEN   Fortsetzung...

 
A new bridge is installed over the river Main in front of the Frankfurt skyline August 21, 2012. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: CITYSPACE SOCIETY) - RTR370N1