GM schließt Opel-Werk Bochum Ende 2016

Donnerstag, 28. Februar 2013, 16:57 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Opel macht sein Werk in Bochum Ende 2016 dicht. Management und IG Metall einigten sich am Donnerstag im Grundsatz auf einen Sanierungsplan für die angeschlagene GM-Tochter, der auch Investitionen für die nächsten Jahre vorsieht.

Der Detroiter Mutterkonzern sagte dabei zu, bis Ende 2016 in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen. Im Gegenzug akzeptiert die Gewerkschaft, dass die Fahrzeugproduktion in Bochum mit über 3000 Beschäftigten dann auslaufen wird. Bis dahin sollen für einen Teil der Belegschaft durch Neuansiedlungen in der Ruhrgebietsstadt neue Arbeitsplätze entstehen. 700 Stellen sollen durch Abfindungen oder Frühverrentungsangebote abgebaut werden. GM hatte gedroht, bei einem Scheitern der Gespräche den Standort Bochum bereits Anfang 2015 zu schließen.

Über Details des Zukunftsprogramms soll ab Montag weiter verhandelt werden, erklärte Gewerkschaftschef Berthold Huber. Erst wenn das gesamte Paket vorliege, könnten die Gewerkschaftsmitglieder darüber abstimmen.

GM-Vize Steve Girsky bezeichnete die Einigung als Meilenstein, um Opel bis zur Mitte des Jahrzehnts aus den roten Zahlen zu führen. "Wir wollen insgesamt 1200 tarifgebundene Opel-Arbeitsplätze in Bochum sichern - und den Standort in ein Komponentenwerk umwandeln", sagte Girsky. Das Bochumer Getriebewerk, das GM anfangs hatte aufgeben wollen, bleibe bestehen. Bereits ab dem zweiten Quartal soll die Fahrzeugproduktion in Bochum von Drei - auf Zweischichtbetrieb umgestellt werden. Die freiwerdenden 700 Mitarbeiter sollen das Unternehmen über Abfindungen verlassen. Zudem soll eine Transfergesellschaft eingerichtet werden, um Opel-Beschäftigten in der strukturschwachen Ruhrgebietsstadt eine Perspektive zu geben.

General Motors stehe voll hinter Opel und sichere die notwendige Finanzierung für die kommenden Jahre zu, versprach Girsky, der auch den Opel-Aufsichtsrat leitet. Im Gegenzug stunde die Gewerkschaft die im vergangenen Jahr ausgehandelten Tariferhöhungen von 4,3 Prozent weiter. Ein Teil der Lohnerhöhungen war bereits im November ausgezahlt worden.

Für die anderen Opel-Standorte in Rüsselsheim, Eisenach, und Kaiserslautern wurde die Produktion neuer Modelle vereinbart, die die Auslastung in den nächsten Jahren sichern soll. Opel macht die Absatzkrise in Südeuropa zu schaffen. Die GM-Tochter muss die Kosten senken, um aus den roten Zahlen zu kommen. Gewerkschaft und Management verhandeln bereits seit Juni über ein Sparpaket.

HOHE VERLUSTE DRÜCKEN

Der weltweit zweitgrößte Autobauer GM steht bei der Sanierung seines defizitären Europageschäfts unter Zugzwang, seitdem der US-Rivale Ford die Schließung von drei Werken in Belgien und Großbritannien mit 5700 Beschäftigten angekündigt hat. Durch die Einschnitte will Ford bis 2015 in Europa wieder profitabel werden.

GM türmte im vergangenen Jahr mit den beiden Marken Opel und Vauxhall einen Betriebsverlust von satten 1,8 Milliarden Dollar auf, fast drei Mal so viel wie im Jahr davor. Ähnlich wie der französische Partner Peugeot setzte GM den Wert seiner Fabriken und Maschinen in Europa niedriger an - und zwar um 5,2 Milliarden Dollar. Das GM-Management um Konzernchef Dan Akerson will bis zur Mitte des Jahrzehnts in Europa schwarze Zahlen schreiben. Im laufenden Jahr soll der Verlust zumindest etwas eingedämmt werden.

- von Jan Christoph Schwartz

 
An Opel car is pictured in front of the Opel plant of Bochum October 24, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS EMPLOYMENT) - RTR39I9Y