RWE-Chef Terium will Konzerntochter Dea versilbern

Dienstag, 5. März 2013, 10:32 Uhr
 

Essen (Reuters) - Der durch die Atomwende unter Druck geratenen Energiekonzern RWE verkauft sein Tafelsilber.

Vorstandschef Peter Terium kündigte am Dienstag an, die Tochter RWE Dea zu veräußern. Branchenexperten schätzen den Wert des Hamburger Öl- und Gasförderers mit rund 1300 Mitarbeitern auf mehr als vier Milliarden Euro. Das Geld könnte der Versorger gut gebrauchen, hat RWE doch Schulden von 33 Milliarden Euro. Zudem kommt der bereits länger laufende Verkauf anderer Beteiligungen nur schleppend voran. Dank seiner günstigen, aber klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke konnte RWE zwar 2012 seinen Betriebsgewinn steigern. Spätestens nach 2013 erwartet Terium aber deutlich schrumpfende Gewinne.

RWE wolle sich aus der Erforschung und Förderung von Erdöl und Erdgas zurückziehen. Der Konzern beabsichtige daher, sämtliche Anteile von RWE Dea zu veräußern. Die Details der Transaktion seien noch offen. Der Versorger werde aber dadurch seine Investitionen deutlich entlasten. Schon Teriums Vorgänger Jürgen Großmann hatte einen Verkauf des 113 Jahre alten Unternehmens geprüft, später aber lediglich einzelne Teile, wie die Beteiligungen an Öl- und Gasfeldern, zur Disposition gestellt. Aus Konzernkreisen war aber bereits in der Vergangenheit zu hören, dass RWE Dea hohe Investitionen verschlinge, die sich erst nach längerer Zeit bezahlt machten. Dies könne sich RWE nicht mehr leisten.

Bei Anlegern stieß der geplante Dea-Verkauf weitgehend auf Zustimmung. RWE-Aktien kletterten im Dax um bis zu 4,8 Prozent auf 30,05 Euro, den höchsten Stand seit mehr als sieben Wochen. Die Absicht, RWE Dea komplett zu verkaufen, sei eine positive Überraschung, meint DZ-Bank-Analyst Marc Nettelbeck. Die Auswirkungen auf die RWE-Bilanz seien aber kaum abschätzbar - "wir erwarten aktuell nicht, dass RWE Dea in einem Stück verkauft werden kann".

GEPLANTE BETEILIGUNGSVERKÄUFE SCHLEPPEN SICH HIN

RWE Dea hatte im vergangenen Jahr dank gestiegener Gas- und Ölpreise sein betriebliches Ergebnis um fast ein Viertel auf 685 Millionen Euro gesteigert. Dea ist in gut ein Dutzend Ländern mit Lizenzen und Büros präsent. Dazu gehören Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Dänemark und Ägypten. Weitere Förderanlagen sind in Algerien und Libyen im Aufbau. In Deutschland betreibt RWE Dea darüber hinaus große unterirdische Erdgasspeicher.

Mit den bis Ende 2013 geplanten Beteiligungsverkäufen im Wert von bis zu sieben Milliarden Euro kommt Terium allerdings langsamer als geplant voran. "In der Umsetzungsphase des Programms hat sich gezeigt, dass wir für einen Teil der zur Veräußerung stehenden Beteiligungen keinen angemessenen Wert erzielen können", erläuterte der RWE-Chef. Bislang habe der Konzern 2,1 Milliarden Euro kassiert. RWE wolle die geplante Veräußerung seiner tschechischen Netztochter NET4GAS vorantreiben. "Wir wollen keine Desinvestments um jeden Preis", machte er zugleich deutlich.

SCHRUMPFENDE ERGEBNISSE NACH 2013 ERWARTET

Dank seiner vergleichsweise günstigen, aber klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke konnte der Versorger 2012 seinen Betriebsgewinn über den Markterwartungen steigern. Für das laufende Jahr rechnet RWE aber mit keinen weiteren Sprüngen. 2012 kletterte der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 10,1 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. 2013 werde der Wert wohl in der Größenordnung von neun Milliarden Euro liegen. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis soll sich erneut in der Größenordnung von 2,4 Milliarden Euro bewegen. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Energieriese mitgeteilt, dass die Aktionäre für 2012 eine unveränderte Dividende von zwei Euro je Aktie erhalten sollen.

Nach 2013 dürften die Gewinne deutlich zurückgehen, kündigte Terium an. Dies liege vor allem an der Konkurrenz der bevorzugt behandelten Ökostromanlagen und dem gesunkenen Großhandelpreisen für Strom. "Am deutschen Terminmarkt ist Strom derzeit so günstig wie seit 2005 nicht mehr", sagte Terium. Wegen des vorrangig eingespeisten Ökostroms sinke auch die Auslastung von Gas- und Kohlekraftwerken. "Die Ergebnisse von RWE Generation werden weiter stark zurückgehen."

Dies macht auch dem Konkurrenten E.ON zu schaffen. Nach vorläufigen Zahlen verdiente E.ON im vergangenen Jahr vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 10,8 Milliarden Euro. Für 2013 rechnet der Konzern aber bereits wieder mit einem Gewinnrückgang. E.ON-Chef Johannes Teyssen legt die Bilanz für 2012 am 13. März vor.

- von Tom Käckenhoff

 
Peter Terium, chief executive of German power supplier RWE, poses before the company's annual news conference in Essen March 5, 2013. Germany's No. 2 utility RWE has put its oil and gas exploration unit up for sale in a move that could raise about 4.6 billion euros ($6 billion) for its drive to cut debt. REUTERS/Ina Fassbender