Erneut Klagen gegen US-Banken wegen Hypotheken-Deals

Dienstag, 24. September 2013, 17:35 Uhr
 

Washington (Reuters) - Zahlreiche US-Banken sehen sich wegen umstrittener Hypotheken-Geschäfte erneut mit Klagen konfrontiert.

Die Regulierungsbehörde National Credit Union Administration (NCUA) reichte wegen des Verkaufs von Wertpapieren im Volumen von rund 2,4 Milliarden Dollar an zwei in der Finanzkrise zusammengebrochene Genossenschaftsbanken Anklage gegen Morgan Stanley sowie acht weitere Institute ein. Insidern zufolge will die Regierung in Washington auch der größten US-Bank JPMorgan Chase wegen Hypotheken-Geschäften den Prozess machen. Das Justizministerium bereite eine Klageschrift vor, die bereits am Dienstag am Gericht eingereicht werden könnte, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

JPMorgan wird vorgeworfen, bei der Ausgabe von hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS) zwischen 2005 bis 2007 Vorschriften verletzt zu haben. Ein Sprecher der Bank lehnte eine Stellungnahme ebenso ab wie eine Sprecherin des US-Justizministeriums. Im vergangenen Monat hatte die Regierung von Präsident Barack Obama bereits die Bank of America wegen Betrugs verklagt. Ihr wird vorgeworfen, problembehaftete Hypotheken teilweise in hochkomplexe Wertpapiere gebündelt dann und verkauft zu haben. Während die Bank of America daran lange gut verdiente, blieben die Käufer nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes 2007 auf Verlusten sitzen. Die Bank of America hat in diesem Zusammenhang bereits zahlreiche kostspielige Vergleiche geschlossen.

Die NCUA geht neben der Investmentbank Morgan Stanley auch gegen die zu JPMorgan gehörende Bank Bear Stearns, Credit Suisse, die Royal Bank of Scotland, UBS, Goldman Sachs, die Wells-Fargo-Tochter Wachovia sowie Ally Securities vor. Ihnen werden fehlerhafte Verkaufsunterlagen zur Last gelegt. Die Geschäfte seien für die Genossenschaftsbanken Southwest und Members United deutlich riskanter als dargestellt gewesen, hieß es. Die Institute waren zunächst nicht für Stellungnahmen erreichbar.

BRANDBESCHLEUNIGER IN DER FINANZKRISE

Riskante Wertpapiere hatten die Finanzkrise ausgelöst. Nach dem Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt wurden die meisten mit Hypotheken besicherten Wertpapiere weitgehend wertlos und brockten ihren Besitzern hohe Verluste ein. Viele Banken kamen in Schwierigkeiten. Als die US-Investmentbank Lehman Brothers dann im Herbst 2008 zusammenbrach, vertrauten sich die Institute untereinander nicht mehr - und der gesamte Finanzsektor stand vor dem Kollaps. Zahlreiche Banken mussten mit Steuergeldern aufgefangen werden.

Der in den USA sehr wichtige Häusermarkt kam in den vergangenen Jahren wieder in Schwung. Zuletzt ebbte der große Refinanzierungsboom aber ab und steigende Zinsen machten den Hypotheken-Abteilungen der Banken zu schaffen. JPMorgan, Bank of America und Wells Fargo kündigten deshalb in den vergangenen Wochen bereits den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen in ihren Kreditabteilungen an. Am Montag gab die Citigroup bekannt, 1000 Stellen im US-Hypothekenbereich zu streichen, weil die Nachfrage nach neuen Krediten und Refinanzierungen für Eigenheime gesunken sei. Die drittgrößte US-Bank beschäftigt im Hypothekengeschäft 13.000 Mitarbeiter.

 
A pedestrian walks past the Canary Wharf offices of JP Morgan in London September 19, 2013. REUTERS/Neil Hall