Clinton feiert in New Hampshire unerwartetes Comeback
Manchester/Berlin (Reuters) - Hillary Clinton ist zurück. Entgegen allen Umfragen setzte sich die ehemalige First Lady in der zweiten Runde der Vorwahlen gegen ihren schärfsten innerparteilichen Rivalen, Barack Obama, durch.
Der schweren Schlappe in Iowa, wo sie im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nur auf Platz drei landete, folgte in New Hampshire ein überraschendes Comeback. Nach ihrem Gefühlsausbruch Anfang dieser Woche fuhr sie mit 39 zu 36 Prozent den knappen aber dringend benötigten Sieg ein. 8000 Stimmen Unterschied zu dem Senkrechtstarter Obama reichten, um Demoskopen eines Besseren zu belehren. Die Meinungsforscher hatten die 60-Jährige teilweise zweistellig hinter dem schwarzen Senator aus Illinois gesehen.
Auch bei den Republikanern meldete sich am Dienstag ein längst abgeschriebener Anwärter auf die Kandidatur zurück: Der Vietnam-Veteran John McCain landete mit fünf Punkten vor dem Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Der Baptistenprediger und Überraschungssieger von Iowa, Mike Huckabee, wurde abgeschlagen Dritter.
In beiden Parteien ist der Wettstreit um die Präsidentschaftskandidatur damit wieder völlig offen. Eine Atempause konnten sich die Bewerber nicht gönnen. Noch am Mittwoch zogen sie weiter zu den nächsten Schauplätzen des Vorwahl-Marathons. Das Rennen sei jetzt sehr eng und werde sich wohl nicht vor dem 5. Februar entscheiden, sagte Obama. An dem "Super Tuesday" stimmen die Menschen in 22 Bundesstaaten ab, wen sie am geeignetesten für das Duell zwischen Republikanern und Demokraten um die Nachfolge von George W. Bush halten.
CLINTON ZEIGT GEFÜHLE - UND HAT ERFOLG
"Ich habe Euch zugehört und dabei habe ich meine eigene Stimme gefunden", rief Clinton ihren jubelnden Anhängern in Manchester zu. "Ich habe das Gefühl, dass wir alle unsere Herzen sprechen ließen und ich bin so dankbar, dass Ihr darauf eingegangen seid. Jetzt lasst uns zusammen Amerika das Comeback geben, das New Hampshire mir gerade gegeben hat." Am Mittwoch schwärmte sie im TV-Sender CBS von einem "unglaublichen Moment der Verbindung mit den Wähler von New Hampshire".
Die Senatorin aus New York räumte ein, sie habe möglicherweise davon profitiert, dass sie zuletzt eine menschlichere Seite von sich zeigte. Bislang litt sie unter ihrem Image, kühl und berechnend zu sein. Doch nach ihrer Niederlage in Iowa war sie bei Auftritten auch mal wütend, mal den Tränen nah. Mit diesem Strategiewechsel habe sie wohl vor allem bei Frauen punkten können, sagte USA-Experte Josef Braml.
Auffällig war zudem, dass sich Clinton diesmal mit Jung-Wählern nach ihrem Sieg umgab, während in Iowa die 70-jährige Ex-Außenministerin Madeleine Albright noch mit auf der Bühne stand. Sie wolle Obama diese Gruppe streitig machen, kommentierte Braml die Szene.
Obama gab sich ungeachtet dessen kämpferisch. "Ich bin immer noch Feuer und Flamme und bereit loszulegen", versicherte der 46-Jährige seinen Anhängern. "Es passiert etwas in Amerika. Wir sind bereit, dieses Land in eine grundsätzlich neue Richtung zu führen." Obama schickt sich an, erster schwarzer US-Präsident zu werden, Clinton will als erste Frau an die Spitze Amerikas. Fortsetzung...

