Auslandstruppen töten afghanische Polizisten nach Verwechselung

Sonntag, 20. Juli 2008, 12:43 Uhr
 

Kabul (Reuters) - Internationale Truppen haben offiziellen Angaben zufolge neun afghanische Polizisten nach einer Verwechslung mit Taliban-Kämpfern getötet.

Beide Seiten bekämpften sich in der Nacht zum Sonntag im Westen des Landes, weil sie sich gegenseitig für Mitglieder der Extremisten-Gruppe hielten, wie der stellvertretende Gouverneur der Provinz Farah, Mohammed Junus Rasuli, sagte. Die ausländischen Streitkräfte hätten schließlich Unterstützung aus der Luft angefordert. Bei dem folgenden Angriff auf den Polizeiposten seien neben den neun Polizisten vier weitere Sicherheitskräfte verwundet worden, unter ihnen der Polizeichef des Bezirks Anar Dara.

Sowohl die internationale Schutztruppe Isaf als auch die von den USA angeführten Koalitionsstreitkräfte erklärten, von einem Vorfall in Farah zu wissen, jedoch lägen keine genauen Informationen vor.

Unterdessen kamen in der östlichen Provinz Paktika bei einem nächtlichen Granatenangriff der Isaf mindestens vier einheimische Zivilisten ums Leben. Soldaten hätten mehrere Granaten abgefeuert, die ihr Ziel um fast einen Kilometer verfehlt hätten, teilte die Isaf in einer Stellungnahme mit. Es gebe unbestätigte Berichte über drei weitere Tote, vier Zivilisten seien bei dem Angriff zudem verletzt worden. Die Isaf bedauere das Unglück sehr, hieß es. Die genauen Umstände würden noch untersucht.

Die neuen Vorfälle dürften den Eindruck der Afghanen verstärken, dass die internationalen Streitkräfte bei ihren Kampfeinsätzen nicht genügend Rücksicht auf Unschuldige nehmen. Nach Angaben afghanischer Behörden sind bei Luftangriffen der US-geführten Koalitionsstreitkräfte im Osten des Landes in diesem Monat 60 afghanische Zivilisten ums Leben gekommen, darunter viele Frauen und Kinder. Die Angelegenheit wird noch untersucht.