Tote und Verwüstungen in Europa durch Orkan "Emma"

Sonntag, 2. März 2008, 10:50 Uhr
 

Berlin/Wien (Reuters) - Das Orkantief "Emma" hat in Deutschland mindestens zwei Menschenleben gefordert und erhebliche Verwüstungen angerichtet.

Die Feuerwehr war bundesweit im Dauereinsatz, um Schäden zu beseitigen. Bei Brühl in Nordrhein-Westfalen fuhr ein ICE auf einen umgestürzten Baum. Auch andernorts kam es zu Störungen im Bahnverkehr. In Bayern waren rund 150.000 Menschen zeitweise ohne Strom. In Österreich starben mindestens vier Menschen, in Tschechien weitere zwei.

Im bayerischen Landkreis Starnberg kam ein 72-jähriger Motorrollerfahrer auf einer Landstraße ums Leben. Der Mann sei auf freier Strecke von einer Windböe erfasst worden und auf die Gegenfahrbahn gedrückt worden, sagte ein Polizeisprecher. Dort sei er frontal mit einem Auto zusammengestoßen. Der Mann erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. In der Nähe von Betzdorf im Westerwald wurde ein 58-jähriger Mann von einem umstürzenden Baum auf dem Rücksitz eines Pkw erschlagen. Die drei anderen Insassen erlitten einen Schock. Bei Freiberg in Sachsen starb eine 68-Jährige bei einem Verkehrsunfall. Die Polizei sprach allerdings von einer schnee- und nicht sturmbedingten Ursache.

In Österreich und Tschechien starben insgesamt mindestens sechs Menschen durch den Sturm, darunter zwei Deutsche. Ein 69-jähriger Tourist aus Deutschland wurde auf einem Tiroler Campingplatz von einem Baum erschlagen. Ein 77-jähriger deutscher Urlauber starb durch einen auf sein Auto fallenden Baum. In Tschechien erschlug ein umstürzender Baum in der Nähe von Prag ein elfjähriges Mädchen. Herumfliegende Metallteile erschlugen einen 80-jährigen Priester in Prag, wie die Nachrichtenagentur CTK meldete.

Das Sturmtief führte zudem zu erheblichen Störungen im Bahn- und Flugverkehr. Am Frankfurter Flughafen mussten 127 Flüge umgeleitet werden oder fielen ganz aus, wie ein Sprecher sagte. Am Wiener Flughafen wurde der Betrieb für eine halbe Stunde unterbrochen.

STROMAUSFALL UND ZUGVERSPÄTUNGEN

In Nordrhein-Westfalen fuhr bei Brühl ein ICE in einen umgestürzten Baum auf der Strecke zwischen Köln und Koblenz. Der Lokführer wurde verletzt. Die Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon und wurden in Bussen weiter transportiert. Zwar seien die Auswirkungen deutlich geringer als man nach den Prognosen habe erwarten müssen, sagte ein Sprecher. Dennoch blockierten zahlreiche umgestürzte Bäume den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen. Auch am Nachmittag waren mehrere Strecken nur eingleisig oder eingeschränkt befahrbar. Züge werden umgeleitet oder durch Busse ersetzt. Im stark betroffenen Bayern waren auch mehrere Hauptstrecken gestört. Bahn-Mitarbeiter rückten aus, um Oberleitungen zu reparieren.

Im Freistaat kam in weiten Teilen zudem die Stromversorgung zum Erliegen. Durch die schweren Windböen seien 5000 Transformatorenstationen ausgefallen, über die 150.000 Kunden versorgt würden, teilte der Energiekonzern E.ON mit. Die Ursache seien Bäume, die dem starken Wind nicht standgehalten hätten und auf Leitungen gestürzt seien. Am schwersten betroffen waren den Angaben zufolge der Raum Oberfranken, die Gebiete um den Oberpfälzer Wald, der Bayerische Wald und die Regionen um Weiden und Regen. Auch der Voralpenbereich wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Im Tagesverlauf zog "Emma" weiter südostwärts. Zuletzt war vor allem noch im Bergland und im Küstenbereich mit schweren Stürmen zu rechnen. Vor allem in den süddeutschen Mittelgebirgen sollte es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes weiter Dauerregen geben.

Die Feuerwehren riefen die Bevölkerung weiter zur Vorsicht auf. Auch wenn "Emma" schwächer gewesen sei als erwartet, sollten Wälder an diesem Wochenende auf keinen Fall betreten werden. Viele Gefahrenstellen auf Straßen würden erst verspätet entdeckt. Bäume, abgeknickte Äste und lose Trümmerteile gefährdeten weiterhin Fußgänger und Autofahrer, warnte der Deutsche Feuerwehrverband.