Werk in Brasilien kommt ThyssenKrupp teurer als gedacht
Düsseldorf (Reuters) - Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp kämpft beim Neubau eines Werks in Brasilien mit explodierenden Kosten und Verzögerungen.
Das Schlüsselprojekt für die Wachstumsstrategie von ThyssenKrupp werde bis zu 700 Millionen Euro teurer als geplant und könne erst ein halbes Jahr später im Herbst 2009 mit der Produktion beginnen, räumte das Unternehmen am Mittwoch ein. Die Nachricht überlagerte die im Rahmen der Markterwartungen ausgefallenen Quartalsergebnisse.
Anders als etwa der Weltmarktführer ArcelorMittal setzt der deutsche Branchenprimus nicht auf teure Übernahmen, sondern auf organisches Wachstum. Rund 20 Milliarden Euro will ThyssenKrupp investieren und vor allem seine Produktion in dem boomenden Stahlgeschäft ausweiten. Im Zentrum der Strategie stehen das Rohstahlwerk in Brasilien sowie ein Stahl- und Edelstahlwerk in den USA, das 2010 die Produktion aufnehmen soll. Dort laufe auch alles nach Plan, betonte ThyssenKrupp.
In den vergangenen Wochen hatten sich Spekulationen über Verzögerungen und steigende Kosten in Brasilien hartnäckig gehalten. Das bislang auf drei Milliarden Euro veranschlagte Projekt werde 500 bis 700 Millionen Euro teurer, erklärte der Konzern am Mittwoch. Der für März 2009 angepeilte Start werde sich um vier bis sechs Monate verschieben.
Verzögerungen bei Teilelieferungen und schleppende Bauarbeiten nach starken Regenfällen seien der Grund für die Verschiebung, erklärte ThyssenKrupp. Auf die Kalkulation schlügen höhere Kosten für Ausrüstung, Bau und Montage durch.
TEURES EISENERZ BELASTET STAHLSPARTE
Die ThyssenKrupp-Aktie legte eine Berg- und Talfahrt hin, ehe sie um ein Prozent abrutschte. "Die Zahlen waren letzten Endes langweilig", sagte ein Händler. "Ein Wermutstropfen sind die Aussagen zu Brasilien."
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 (per Ende September) steigerte ThyssenKrupp den Gewinn vor Steuern auf 742 (Vorjahr: 572) Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte eine EU-Kartellstrafe von 480 Millionen Euro das Ergebnis belastet. Der Umsatz stieg auf 13,2 (13,1) Milliarden Euro.
Wachstumstreiber war das Geschäft mit Großanlagen und mit Aufzügen. Die Stahl- und Edelstahlsparte musste hingegen einen Gewinnrückgang hinnehmen, was ThyssenKrupp auch auf die stark gestiegenen Rohstoffkosten zurückführte. Beim Eisenerz musste der Konzern kürzlich Preisaufschläge von 65 Prozent schlucken. Zwar müssen nun auch die ThyssenKrupp-Kunden mehr für den Stahl zahlen, dies werde aber im Gesamtjahr die Kostensteigerungen nicht ausgleichen, hieß es. Fortsetzung...


