Jung kritisiert US-Angriffe in Pakistan

Freitag, 5. September 2008, 15:27 Uhr
 

Islamabad (Reuters) - Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hat die USA zum Stopp der Angriffe auf Extremisten in Pakistan aufgerufen.

"Hier ist die territoriale Integrität Pakistans zu respektieren", sagte Jung am Freitag bei einem Besuch in der Hauptstadt Islamabad. Er werde sich dafür einsetzen, dass solche Vorstöße in Zukunft ausblieben. Am Mittwoch hatte die US-Armee erstmals seit ihrem Einmarsch im Nachbarland Afghanistan 2001 einen Bodenangriff in Pakistan geführt. Dabei wurden nach pakistanischen Angaben bis zu 20 Menschen getötet. Der Einsatz in einem Grenzdorf deutete auf eine Intensivierung der US-Bemühungen hin, Al-Kaida- und Taliban-Kämpfern die Rückzugsmöglichkeiten zu nehmen.

Jung äußerte Verständnis dafür, dass Pakistan einseitige Aktionen auf seinem Gebiet für unrechtmäßig halte. Zugleich hätten die pakistanische Regierung und die Armeeführung deutlich gemacht, dass sie weiterhin einen Beitrag zum Kampf gegen den Terrorismus leisten wollten. Pakistan habe zugesagt, die Grenze zu Afghanistan durch den Aufbau weiterer Kontrollpunkte besser abzusichern. Pakistans Regierungschef Yousaf Raza Gilani kündigte den Einsatz biometrischer Mittel und von Fingerabdruckkontrollen an.

Pakistan kündigte an, seinen Dialog mit Afghanistan und der dort stationierten Nato-Truppe Isaf fortzusetzen. Ein nächstes Treffen sei für Oktober ins Auge gefasst, sagte Jung. Zugleich habe das Land um Militärausrüstung aus Deutschland gebeten. Konkret gehe es um die Lieferung von drei U-Booten, was er befürworte, sagte Jung. Außerdem nutze Pakistan bereits deutsche Lunar-Drohnen, um die Stammesgebiete im Nordwesten zu überwachen.

Bei dem Treffen mit Regierungschef Gilani habe Einigkeit geherrscht, dass in den Unruheregionen aber auch die zivile Entwicklung durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Bildungschancen vorangetrieben werden müssten, sagte ein Sprecher Jungs. In Pakistan soll nach dem Rücktritt Pervez Musharrafs am Samstag ein neuer Präsident gewählt werden.

In Regierungskreisen in Washington war ein Angriff von US-Spezialkräften auf ein pakistanisches Grenzdorf bestätigt worden. Ziel des Einsatzes seien Mitglieder der Extremistenorganisation Al-Kaida gewesen. Am Freitag griffen die US-Streitkräfte offensichtlich erneut Rebellen in der nordwestlichen Bergregion an. Nach Angaben pakistanischer Sicherheitsvertreter, feuerten mutmaßliche US-Drohnen mehrere Raketen und töteten mindestens fünf Aufständische. Die Berge im Grenzgebiet gelten als Rückzugsgebiet für die Extremisten.

Im Westen Afghanistans kamen bei einem Luftangriff der US-geführten Truppen nach offiziellen Angaben sieben Menschen ums Leben, darunter zwei Kinder. Die US-geführten Truppen äußerten sich zunächst nicht zu dem Einsatz in der Provinz Farah.

Die Europaabgeordnete der Grünen, Angelika Beer, forderte die Bundesregierung auf, endlich Klarheit über den Status der Bundeswehr in Afghanistan zu schaffen. Die deutschen Soldaten versuchten auf der einen Seite den Wiederaufbau zu stärken, auf der anderen Seite seien sie aber auch in Kampfeinsätzen beteiligt, sagte sie Deutschlandradio Kultur. Vor allem die steigende Zahl ziviler Toter in Afghanistan und der Tod eines bei einem Anschlag umgekommenen deutschen Soldats haben die Debatte über die Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes dort angefacht, die im Oktober ansteht.