US-Verbrauchervertrauen so schwach wie seit 28 Jahren nicht mehr

Freitag, 16. Mai 2008, 17:16 Uhr
 

New York (Reuters) - Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes ist angesichts der Rekordpreise bei Öl und Lebensmitteln so schwach wie seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr.

Der entsprechende Index von Reuters und der Universität Michigan gab nach vorläufigen Berechnungen vom Freitag im Mai auf 59,5 Punkte von 62,6 Zählern im Vormonat nach. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 62,0 Punkte gerechnet. Die Zahl der Befragten, welche die Wirtschaft bereits in einer Rezession sähen, sei so hoch wie nie zuvor, teilten die Umfrageexperten mit.

Zugleich stiegen die Inflationserwartungen auf den höchsten Stand seit Februar 1982. Im Schnitt gehen die Befragten auf Jahressicht von Preissteigerungen um 5,2 Prozent aus. Der Bericht weckt damit Befürchtungen, dass die größte Volkswirtschaft der Welt in eine Periode der Stagflation abrutscht, die durch eine schwache Wirtschaft bei gleichzeitig hoher Teuerung charakterisiert ist. Zuletzt hatten die USA Anfang der 80er Jahre eine derartigen Schwächephase erlebt.

Experten sehen nun die Notenbank in einer schwierigen Situation. "Es sieht schon auf den ersten Blick schlecht aus, und das sollte keine Überraschung sein", sagte Tom Sowanick, Analyst bei Clearbrook Financial. Die Fed müsse die Inflationserwartungen irgendwie eindämmen: entweder verbal oder indem sie einige der aggressiven Zinssenkungen der vergangenen Monate rückgängig mache.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Positive Nachrichten kamen dagegen vom Wohnimmobilienmarkt. Hier waren die Wohnbaubeginne im April überraschend gestiegen, zudem legte die Zahl der Baugenehmigungen zu.