AWD-Eigentümer Swiss Life greift auch nach MLP

Donnerstag, 14. August 2008, 19:44 Uhr
 

Zürich/Frankfurt (Reuters) - Der Lebensversicherer Swiss Life will mit dem Einstieg beim Finanzmakler MLP seine Vertriebsmacht in Deutschland vergrößern.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion sicherte sich der Eigentümer des MLP-Konkurrenten AWD eine Sperrminorität von 26,75 Prozent an der Nummer drei der deutschen Finanzvertriebe. Heimlich eingefädelt wurde der Deal vom AWD-Chef Carsten Maschmeyer, der seit Jahren auf eine Fusion der beiden Firmen hinarbeitet. Kreisen zufolge ist Swiss Life allerdings durch Maschmeyers Vorpreschen irritiert und will ihn nun genauer unter die Lupe nehmen. MLP und deren Großaktionär Manfred Lautenschläger fürchten um die Unabhängigkeit und sträuben sich deshalb gegen den Einfluss des Züricher Versicherungsriesen.

AWD, die Nummer zwei auf dem Markt, und MLP kommen zusammen auf Provisionserlöse von 1,2 Milliarden Euro und würden damit den Marktführer DVAG überrunden. Swiss Life wolle AWD und MLP nicht fusionieren, betonte Konzernchef Rolf Dörig am Donnerstag. Maschmeyer sagte: "Für beide Häuser ist nebeneinander Platz." Swiss Life werde seine Beteiligung ohne die Zustimmung von MLP auch nicht aufstocken, beteuerte Dörig.

Vorstand und Aufsichtsrat von MLP konnte Dörig nicht besänftigen: Der größte MLP-Aktionär Lautenschläger sieht keinen Anlass für Gespräche. "Eine Zusammenarbeit zwischen Swiss Life und MLP, die über die bisherige Produktkooperation hinausgeht, würde die Unabhängigkeit und das Geschäftsmodell von MLP nachhaltig gefährden", warnte er. Den 32-prozentigen Anteil, den er mit seiner Familie hält, werde er nicht verkaufen.

Dagegen setzt AWD-Chef Maschmeyer auf eine Kooperation. "Ich habe den Traum der Industrielogik seit Jahren", sagte er. Seine Avancen hatte MLP aber stets zurückgewiesen. "Bei zwei starken Unternehmerpersönlichkeiten will jeder der Bauer sein - einer ist rechts, einer links vom Fluss und Swiss Life ist nun die Brücke, die beide verbindet", sagte Maschmeyer. Während MLP auf Finanzprodukte für Akademiker spezialisiert ist, richtet sich AWD auch an untere Einkommensschichten.

MASCHMEYER KAUFTE AUF EIGENE FAUST

Maschmeyer hatte über Monate hinweg auf eigene Rechnung ein MLP-Aktienpaket zusammengekauft. Mit 2,9 Prozent der Aktien und Optionen auf 4,9 Prozent blieb er dabei unter den gesetzlichen Meldeschwellen. Schlussstein war der Erwerb von rund 15 Prozent von der Berenberg Bank. Nun kauft ihm Swiss Life für 307 Millionen Euro das Paket ab. Maschmeyer steigt dafür mit drei Prozent bei den Schweizern ein. Der gebürtige Bremer tritt auch sein AWD-Paket an Swiss Life ab.

In Finanzkreisen hieß es, die Schweizer hätten von Maschmeyers Initiative lange nichts gewusst. Swiss Life habe ihm nun das Ruder aus der Hand genommen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Der Kauf des MLP-Pakets solle Ruhe in die Sache bringen. Mit der Berufung des Swiss-Life-Deutschland-Chefs Manfred Behrens zum Co-Chef von AWD solle Maschmeyer "eingebremst" werden. Dies sei ein Signal an MLP, dass es eine freundliche Annäherung geben solle.

Hintergrund der Konzentration bei den Finanzvertrieben ist die Finanzkrise, die die Nachfrage nach Finanzprodukten drosselt. Aber auch neue Vorschriften machen den Vertrieben das Leben schwer.   Fortsetzung...