Zahl der Erdbebentoten in China stieg auf über 21.500

Freitag, 16. Mai 2008, 17:35 Uhr
 

Peking (Reuters) - Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben im Südwesten Chinas ist die Zahl der Toten auf über 21.500 gestiegen.

Während die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua diese Information am Freitag verbreitete, rief Ministerpräsident Wen Jiabao dazu auf, bei der Suche nach Überlebenden nicht zu erlahmen. "Wir werden nicht aufgeben, wenn es noch das geringste Fünkchen Hoffnung gibt", sagte Wen auf den Trümmern einer der vielen eingestürzten Schulen. Nach seinen Äußerungen könnten die Schäden der Naturkatastrophe, bei der möglicherweise bis zu 50.000 Menschen zu Tode gekommen sind, die des Bebens von 1976 in Tangshan übertreffen. Damals waren im Nordosten des Landes etwa 270.500 Menschen gestorben, das zweitschwerste bekannte Erdbeben der Geschichte.

Erzürnt reagierten viele Chinesen darauf, dass so viele Schulgebäude einstürzten und deshalb Tausende Kinder ums Leben kamen. Die Regierung ordnete eine Untersuchung an. Bauminister Jiang Weixin sagte, die Schulen seien nicht für ein so mächtiges Erdbeben ausgelegt gewesen. Das sei möglicherweise auf Korruption zurückzuführen. "Derzeit können wir Pfusch und schlechtes Material nicht ausschließen", sagte Jiang. Ein Abteilungsleiter aus dem Bildungsministerium kündigte harte Strafen gegen Schuldige an. Nach Erkenntnissen der Regierung brachen in der am stärksten betroffenen Provinz Sichuan 216.000 Bauwerke unter der Wucht des Bebens der Stärke 7,9 zusammen. Darunter waren fast 6900 Schulgebäude.

Weil viele Leichen nicht rechtzeitig beerdigt oder verbrannt werden konnten, wuchs die Angst vor Epidemien. Es würden dringend Leichensäcke benötigt, zitierte Xinhua einen Parteifunktionär in der Stadt Yingxiu. Die Toten aus der Stadt wurden an einem Flussufer abgelegt. Das Gesundheitsministerium ordnete an, geborgene Leichen zu reinigen und möglichst schnell zu begraben. Unter den Trümmern wurden bis zu 25.000 Verschüttete vermutet.

Mittlerweile trafen die ersten ausländischen Rettungskräfte im Katastrophengebiet ein. Die etwa 60-köpfige Gruppe aus Japan wird in der Provinz Sichuan eingesetzt. Auch Angebote Russlands, Südkoreas und Singapurs zur Entsendung von Rettungsspezialisten seien angenommen worden, teilte das Außenministerium mit.

Die Regierung bat die USA nach Angaben von Vertretern beider Länder um Satellitenaufnahmen von Sichuan, die bei der Suche nach Opfern des Bebens sowie beim Erkennen von Schäden an der Infrastruktur helfen könnten. Eine Sorge der chinesischen Behörden gilt den zahlreichen Staudämmen im Erdbebengebiet, von denen einige durch die Erdstöße beschädigt worden sind.

 
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